Der Edelstein im Brandenburger Kurhut


Eine Sage zur Entstehung des Kurfürstentums Brandenburg

Haben himmliche Mächte das Geschick des ersten Brandenburger Kurfürsten gelenkt? Darum geht es dieser Sage.

Die Sage

Der Burggraf Friedrich von Hohenzollern erhielt eines Tages die Botschaft des Kaisers, dass er zum Kurfürsten gewählt worden war. Um die Kurwürde zu empfangen sollte er nach Kostnitz kommen, das heute Konstanz heißt.

In der folgenden Nacht konnte Friedrich vor Aufregung kaum schlafen. Da erschien ihm ein Engel, der ihm viel Glück und Siege in Schlachten verkündete. Außerdem reichte er ihm einen Karfunkelstein, welcher in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Mit diesem sollte er sich künftig schmücken.

Am nächsten Morgen glaubte der Kurfürst zunächst an einen Traum. Dann jedoch sah er einen Stein vor sich liegen, der aber nicht mehr schimmerte, sondern trübe und glanzlos war. Dennoch warf ihn Friedrich nicht verächtlich fort, sondern verschloss ihn in einer Truhe.

Nach langer Zeit und vielen Kämpfen kam der Tag, an dem der Kurfürst festlich gekleidet in die Stadt Berlin einziehen sollte. Als er seinen Kurhut aufsetzen wollte, stellte er unglücklich fest, dass einer der kostbaren Diamanten fehlte, die zur Zierde angebracht waren. Er erinnerte sich an den Karfunkelstein, holte ihn aus der Truhe und setzte ihn anstelle des fehlenden Diamanten ein. Er passte perfekt in die Lücke und begann plötzlich zu funkeln und zu leuchten wie keiner der anderen Edelsteine.

Seitdem gab jeder Brandenburger Kurfürst den Karfunkelstein als Talisman an seinen Nachfolger weiter und er wurde zum kostbarsten Stück in der Brandenburgischen Krone.

(Nacherzählt nach einer Sage im Sagenbuch des Preußischen Staats Johann Georg Theodor Grässe 1868)

Was steckt hinter der Sage?

Friedrich I. von Brandenburg

Friedrich I. von Brandenburg, Unbekannter Künstler

Der Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg lebte von 1371 bis 1440. Er wurde in Nürnberg als Sohn des Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg und seiner Gattin Elisabeth von Meißen geboren. Bevor er im Jahr 1415 Markgraf von Brandenburg und Erzkämmerer sowie Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches wurde, erbte er als Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg 1397 den Titel seines Vaters. Außerdem wurde er 1398 Markgraf von Brandenburg-Ansbach und 1420 Markgraf von Brandenburg-Kulmbach. Friedrich I. von Brandenburg war der erste Kurfürst aus der Familie der Hohenzollern in Brandenburg. Die Kurwürde wurde Friedrich am 30. April 1415 auf dem Konzil zu Konstanz durch den König Sigismund verliehen. Im Jahr 1417 erhielt er die Mark Brandenburg als Lehen.

Kurfürsten tragen als Zeichen ihrer Würde den Kurhut. Dabei handelt es sich um eine Mütze aus Samt in dunklem Purpurrot, die einen Besatz aus Hermelinfell hat. Normalerweise sind Kurhüte nicht mit Edelsteinen geschmückt. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurden mit Perlen besetzte Bügel über der Samtmütze angebracht, auf denen ein Reichsapfel prangte. Die Sage vom Karfunkelstein scheint daher keinen wahren Hintergrund zu haben.


Literatur:

  • Grässe, Johann Georg Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats 1–2. Glogau: Carl Flemming, 1868/71
  • Brandenburg-Preußens Herrscher. Das Taschenlexikon, Edition Rieger 2016



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