Die Pfaueninsel - Eine Sage und ihr Hintergrund


Eine Sage aus Berlin

Die als Lieblingsort des Königs Friedrichs des Großen berühmte Pfaueninsel bei Potsdam war zur Zeit des großen Churfürsten ein allgemein gefürchteter und von Jedermann gemiedener Ort.

Sie war nämlich der Aufenthaltsort des als Schwarzkünstler verschrieenen Goldmachers und geheimen Kammerdieners des großen Churfürsten, Kunkel von Löwenstern, der bekanntlich auf Kosten desselben eine Glashütte an der Nuthe unweit der Wassermühlen am Hakschen Damm und eine Glasschleiferei zu Berlin errichtet hatte und bei seinen kostspieligen Versuchen zur Erzeugung der Edelsteine auf die Entdeckung des berühmten Rubinglases gekommen war. Derselbe schlug auf dieser Insel seinen Wohnsitz auf, bis er nach dem Tode seines Herrn nach Schweden ging, und benutzte seine physikalischen Kenntnisse, um durch scheinbare Zauberkünste das Publikum von der Insel fern zu halten.

Darum wagte auch nie ein Fischer mit seinem Kahne an dem ungastlichen Ufer der Insel zu landen, denn wer es versucht hatte, mußte seine Neugierde mit dem Untergange seines Fahrzeuges büßen, das auf unerklärliche Weise wie faules Holz zerfiel oder wie ein Schwamm Wasser einsog und untersank. Sobald Jemand den gefürchteten Goldmacher nur von fern sah, wich er ihm erschreckt aus, und auf der Insel selbst hatte er, nachdem ihn sein alter Diener Klaus verlassen hatte, der Heideläufer geworden war, aber im Jahre 1650 zu Berlin wegen erwiesener Zauberei hingerichtet ward, Niemanden als einen mißgestalteten Menschen, der bald nachher auch noch die Sprache verlor, ihm aber treu anhing, sowie einen großen schwarzen zottigen Hund bei sich, mit dem er durch den Wald strich und der von dem Publikum seiner glühenden Augen wegen für einen bösen Geist gehalten ward.

Auch nach seinem Tode soll sich der Geist des Goldmachers von der Pfaueninsel nicht haben trennen können und zuweilen noch jetzt dort wahrgenommen werden. Der feurige Hund aber soll sogar noch jetzt zuweilen längs dem Strande der Havel bis zu der Badebucht seines Herrn, da wo jetzt der Weg Sakrow gegenüber zur Havel hinabführt, hineilen und dann mit jämmerlichem Geheul im Walde verschwinden.

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.

Johann Kunckel - Alchimist und Glasmacher

Als Johann Kunckel um 1630 geboren wurde, war sein späterer Berufsweg so gut wie vorbestimmt, denn bereits sein Vater befasste sich mit Alchemie und war Meister einer Glashütte in Wittenberg bei Plön im heutigen Schleswig-Holstein. Zwar wandte sich der junge Johann zunächst der Chemie und der Pharmazie zu, aber bereits in seiner Stellung als Apotheker am Herzoghof von Sachsen-Lauenburg, beschäftigte er sich auch mit der Alchimie. Von Lauenburg ging es um 1670 nach Dresden an den Hof des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen. Es wird vermutet, dass sich der Kurfürst von Kunckel eine Formel zum Herstellen von Gold erhoffte. Bekannt ist, dass sich Kunckel mit der Umwandlung von Metallen in andere Elemente beschäftigte. Scheinbar konnte er den sächsischen Fürsten nicht von seinen Künsten überzeugen, denn schon bald führte ihn sein Weg nach Brandenburg, wo er eine Stelle als Geheimer Kammerdiener beim Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm bekleidete.

In Brandenburg verlagerte sich Kunckels Betätigungsfeld immer mehr in Richtung Glasherstellung. Schon bald leitete er zwei Glashütten in Potsdam, und zwar in Drewitz und am Hakendamm (heute Friedrich-Engels-Straße in der Teltower Vorstadt). Hier wurden unter anderem Kristallglas und bunte Glasperlen produziert, die vor allem für den Handel mit Einwohnern der deutschen Kolonien in Afrika verwendet wurden.

Friedrich Wilhelm war wohl höchst zufrieden mit Kunckels Arbeit, denn im Jahr 1685 überschrieb er ihm die Insel Pfauenwerder in der Havel, die heute als Pfaueninsel zum Berliner Ortsteil Wannsee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehört. Hier entstand eine weitere Glashütte mit speziellen Öfen, in der Kunckel nach Belieben schalten und walten konnte. Die etwas abgelegene Lage sowie die Verbote, die Insel zu betreten oder zu verlassen, mögen dazu beigetragen haben, dass sich im Volk die abenteuerlichsten Geschichten verbreiteten, wie auch die Sage zeigt.

Die Glashütte auf der Pfaueninsel hatte nicht lange Bestand. Bereits vier Jahre später zerstörte ein Feuer die Gebäude inklusive Kunckels Labor bis auf die Grundmauern. Außerdem sah er sich nach dem Tod des Großen Kurfürsten dem Vorwurf wegen Veruntreuung ausgesetzt, sodass er Brandenburg schließlich verließ und nach Schweden ging. Hier wurde er durch König Karl XI. in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan Johann Kunckel von Löwenstern nennen.

Lies hier weiter, wenn du mehr über die Bedeutung der Glasherstellung in Brandenburg und Kunckels Verdienste lesen möchtest.

Aus: Grässe, Johann Georg Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats 1–2. Glogau: Carl Flemming, 1868/71



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