Die Brandfichte


Eine Sage aus Bad Freienwalde, Landkreis Märkisch-Oderland

Die Sage

Im Jahr 1628 wurde die Freienwalderin Anna Liebenwaldt der Hexerei beschuldigt. Angeblich hatte sie ihren Ehemann vergiftet. Trotz aller Beteuerungen ihrer Unschuld wurde sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Das Urteil wurde außerhalb der damaligen Stadt Freienwalde in einem Waldgebiet vollstreckt. Bereits auf dem brennenden Scheiterhaufen stehend, hob Anna die Hand und prophezeite, dass aus der Asche des Scheiterhaufens eine Fichte wachsen würde, sofern sie unschuldig ist.

Tatsächlich sollte sich dies bewahrheiten. Da wo der Scheiterhaufen stand, spross im nächsten Frühjahr ein kleines Bäumchen, das sich im Lauf der Jahre zu einem riesigen Baum auswuchs.

Hexen in Freienwalde

Obwohl aus der Mark Brandenburg im Vergleich zu anderen Regionen vergleichsweise wenige Hexenverfolgungen bekannt sind, blieben auch hier Frauen und Männer vom Hexenwahn nicht verschont. Falsche Verdächtigungen und Verleumdungen, an denen das 1487 erschienen Buch "Der Hexenhammer" (Angebot bei Amazon)* großen Anteil hatte, führten zu Verfolgungen, peinlichen Befragungen, Folterungen und Einkerkerungen bis zu Hinrichtungen. Ein Ende machten diesen Praktiken erst der Dreißigjährige Krieg und ein Erlass im Jahr 1714, nach dem Brandpfähle im Land entfernt werden mussten und bestimmte Urteile nur nach Zustimmung durch den Landesherren wirksam wurden.

Über Hexenprozesse in Freienwalde berichtet Theodor Fontane in den Anmerkungen zur zweiten Auflage der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (2. Teil Oderland). Demnach gab es im 17. Jahrhundert mehrere Prozesse gegen angebliche Hexen, von denen zu Fontanes Zeiten über vier Gewissheit herrschte:

  • vor 1628 Verurteilung einer Frau Pfennig zum Tod durch Verbrennen
  • 1628 Todesurteil für Judith Hoppe sowie ihre Töchter Anna Liebenwall und Gertrud Puhlmann
  • nach 1628 Verurteilung von Anna Koch, Todesart unbekannt
  • 1644 Verurteilung Ursula Hensel, Tod während der Folterungen

Bei Anna Liebenwall handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Anna Liebenwaldt aus der Sage. Auch Fontane berichtet, dass sie unweit der Berliner Chaussee (heute Bundesstraße B158) verbrannt wurde und mit den Worten starb:

"Im Angesicht des Todes beteure ich meine Unschuld. Zum Beweise desselben soll aus der Asche dieses Holzstoßes ein Keim aufgehen, wachsen, grünen. Gott, nimm mich gnädig auf."

Annas Mutter Judith Hoppe und die Schwester Gertrud Puhlmann starben bereits während der Folter.

Die Brandfichte

Der Überlieferung nach soll an der Stelle, an der Anna verbrannt worden war, tatsächlich eine Fichte gewachsen sein. Die in Mitteleuropa heimische Gemeine Fichte wird bis zu 50 Meter hoch, selten bis zu 80 Meter. Unter günstigen Bedingungen erreicht sie ein Alter von bis zu 300 Jahren. Dennoch stand die alte Fichte nicht mehr, als Fontane Freienwalde besuchte und er berichtet:

"Der jetzige ist nicht der alte, der morsch wurde und endlich zusammenbrach, sondern ein an derselben Stelle gepflanzter Ersatzmann."

Auch dieser Baum steht längst nicht mehr und an seiner Stelle wuchs bis Anfang 2022 eine Douglasie, die im Februar Opfer des Sturmtiefs Ylenia wurde.

Der Gedenkstein

An die Hexenverbrennungen in Freienwalde erinnert heute ein Gedenkstein an der Stelle, an welcher einst die Brandfichte stand. In einen großen Feldstein, wie man sie in Brandenburg oft findet, wurde folgende Inschrift eingraviert:

"Brandfichte - Legendärer Ort der letzten Freienwalder Hexenverbrennung"

Der Gedenkstein steht unweit der B158 an einem Waldweg kurz vor der Bad Freienwalder Waldstadt. Wer mit dem Auto kommt, fährt am besten kurz nach dem Ortseingang in den Brandfichtenweg, biegt rechts in die Danckelmannstraße und parkt hier. Am Ende der Straße führt ein Waldweg zum Gedenkstein. Diesen läuft man bis zur nächsten Kreuzung und biegt dann rechts ab. Wer mit dem Smartphone navigiert, kann folgende Koordinaten eingeben: N 52° 46.064' E 013° 59.846'.

Hier geht es zum Kapitel: Bad Freienwalde

Quellen



Schick mir bei Fragen eine E-Mail oder erhalte aktuelle Informationen auf Mastodon oder über den RSS Feed!

Symbol für E-Mail
RSS-Logo