Alraune in Filmen
Alraune die Henkerstochter, genannt die rote Hanne (1918)
Die Geschichten um die Alraune gaben mehrfach Veranlassung zur Verfilmung des Stoffes. Der erste Film, ein phantastisches Filmspiel in sechs Akten, mit dem Titel „Alraune die Henkerstochter, genannt die rote Hanne“, wurde 1918 gedreht. Regie führte dabei Eugen Illés, das Drehbuch stammte von Carl Froelich und Georg Tatzelt. Die Darsteller waren Gustav Adolf Semmler, Hilde Wolter, Joseph Klein und Tatjana Sand.
Der Inhalt
Der Herzog Ernst Günther zu Gotburg hat sich mit Jutta von Bärenfels vermählt. Doch seine anfängliche Liebe hält nicht lange vor; schon bald gibt er sich wieder anderen Vergnügungen hin und läßt seine junge Frau allein. Jutta vertreibt sich ihre Zeit in der Schlossbibliothek und findet dabei eines Tages einen uralten Folianten, der die Geschichte des Hauses Gotburg berichtet:Im Jahre 1641 befand sich unweit des Schlosses das Haus des Scharf-richters, der eine wunderschöne Tochter, die rote Hanne, hatte. Diese wurde wegen des Berufes ihres Vater von den anderen Dorfbewohnern geächtet und verfolgt.
Als es wieder einmal zu Gewalttaten gegen sie kam, erschien plötzlich der junge Herzog zu Gotburg und befreite sie aus den Händen ihrer Peiniger. Beeindruckt von Hannes Schönheit, bot der Herzog dem Scharfrichter Gold für seine Tochter. Weil dieser ablehnte, entführte der Fürst das Mädchen. Doch bald erlosch sein Interesse an ihr; sie musste das Schloss in Schande verlassen und in das Haus ihres Vaters zurückkehren.
Der empörte Scharfrichter schwor Rache und entschloss sich, den Herzog mittels Zauberei zu seiner Tochter zurückzuführen. Zusammen mit Hanne grub er nachts eine Alraunwurzel aus, badete diese in Wein und band ein Bild des Herzogs auf sie.
Das Wunder geschah: Der Herzog kehrte zurück und nahm Hanne zur Frau. Doch nach der Geburt des ersten Kindes schien die Alraune ihre Kraft eingebüßt zu haben, denn wieder kümmerte sich der Herzog nicht um seine Gemahlin. Diese versuchte erneut Hilfe durch die Alraunwurzel zu erlangen, aber der Herzog ertappte sie bei ihrem Zauberwerk und ließ sie als Hexe verbrennen. Die Alraune aber hatte die unglückliche Herzogin zuvor hinter einem großen Spiegel im Mittelzimmer versteckt, wo sie die Jahre überdauerte.
Durch die Geschichte neugierig geworden, untersucht Herzogin Jutta den Spiegel und findet tatsächlich das Alraunmännlein. Um endlich einen Erben zu gebären und die Liebe ihres Mannes zurückzuerlangen, verfällt sie auf den Gedanken, den alten Zauber auch auszuprobieren.
Sie hat Erfolg und ein kleines Mädchen wird geboren. Die Jahre vergehen. Das kleine Mädchen wächst zu einem bösartigen, seltsamen Geschöpf heran. Herzog Ernst gibt sich längst neuen Liebschaften hin.
Als die Tochter krank wird und der Arzt kaum noch Hoffnung sieht, nimmt Jutta erneut die Hilfe der Alraune in Anspruch. Aber nur ein Wunsch soll ihr noch gewährt werden! Soll sie sich nun für die Liebe ihres Mannes oder das Leben des Kindes entscheiden?
Dem Irrsinn nahe, wünscht sie die Liebe des Herzogs, aber als sie das tote Kind sieht, bricht auch sie, von einem Herzschlag getroffen, zusammen. Als der Herzog das Unheil sieht, tötet er sich selbst.
Alraune (1930)
Die Erschaffung eines künstlichen Menschen nach der literarischen Vorlage von Hanns Heinz Ewers hatte bereits der Film „Alraune“ aus dem Jahre 1927/28 zum Inhalt genommen. Das Drehbuch stammte von Henrik Galeen, der bereits an den Golem-Filmen Paul Wegeners mitgearbeitet hatte.
Galeen führte auch die Regie; Paul Wegener spielte den Professor ten Brinken, Brigitte Helm die Alraune, Ivan Petrovich den Frank Braun. Der Tonfilm „Alraune“ von Richard Oswald adaptierte den Roman von Ewers ebenfalls. Das Drehbuch entstammte diesmal der Feder von Charles Löllinghoff und Richard Weisbach. Die Alraune wurde wiederum von Brigitte Helm gespielt, Albert Bassermann verkörperte ten Brinken, Harald Paulsen den Frank Braun.
Der Inhalt
Zum Geburtstag des Geheimrats ten Brinken findet sich sein Neffe Frank Braun nebst einigen Kommilitonen ein. Während der Feier fällt eine Alraunwurzel, die an der Wand hing, herunter. Darufhin erzählt der Geheimrat die wunderbare Entstehungsgeschichte der Alraunepflanze und berichtet, dass diese Sage die Ausgangsbasis für seine Experimente war: Er hatte bereits künstliche Ratten hergestellt.Enthusiastisch überredet Frank Braun den Onkel, seine Forschungen doch auch auf menschliche Wesen auszudehnen. Nach dem Vorbild der Legende beschließen sie, einen zum Tode verurteilten Raubmörder und eine Dirne als Eltern zu erwählen.
In einer Kaschemme entdecken sie Alma Raune, ein Animiermädchen. Mit Sekt machen sie das Mädchen betrunken und überreden sie dann, eine Abmachung zu unterschreiben, in der sie sich bereit erklärt, ihren Körper medizinischen Untersuchungen zur Verfügung zu stellen. Frank, den nun doch Gewissensbisse quälen, distanziert sich von den weiteren Vorhaben seines Onkels.
Aus einem Gefängnis holt ten Brinken den Samen eines auf die Hinrichtung Wartenden. Bei seinem endgültigen Experiment, der künstlichen Befruchtung von Alma, unterstützt ihn die Fürstin Wolkonska, die ihm zu Dank verpflichtet ist, hat er ihr doch einst ein Töchterchen auf illegitime Weise verschafft.
Der Versuch gelingt und neun Monate später wird das Mädchen Alraune geboren. Alma stirbt bei der Geburt ihres Kindes und ten Brinken nimmt es als Nichte zu sich.
17 Jahre später. Alraune ist zu einer außerordentlich schönen, aber unheimlichen, jungen Frau herangewachsen. Wolfgang Petersen, Sohn eines Mitarbeiters des Geheimrats, gesteht ihr seine Liebe. Alraune jedoch weist ihn zurück. Im Hause ten Brinkens herrscht eine düstere Stimmung vor: Das Personal fürchtet sich vor der angeblichen Nichte und so verwundert es nicht, dass der Chauffeur und seine Frau um Entlassung bitten. Alraune willigt ein, fordert jedoch eine letzte Ausfahrt. Bei dieser kommt es zu einem tragischen Unfall, den nur Alraune überlebt.
Ten Brinken hat inzwischen Probleme: Petersen verlangt Geld von ihm, da er sonst die üblen Machenschaften des Geheimrats aufdecken würde. Dieser aber erinnert ihn daran, dass er teilweise selbst beteiligt war und somit auch nicht straffrei ausgehen würde. Alraune ist mittlerweile dabei, sämtlichen Männern in ihrem Umkreis den Kopf zu verdrehen.
Auf der Verlobungsfeier von Olga, der Tochter von Fürstin Wolkonska, flirtet sie heftig mit dem Verlobten und wird daraufhin des Hauses verwiesen. Zuvor hatte sie Wölfchen Petersen darum gebeten, ihr aus dem nahe gelegenen Teich Seerosen zu besorgen. Wölfchen ertrinkt dabei. Auch der Geheimrat bleibt von Alraunes Reizen nicht unberührt, aber sie entzieht sich ihm.
In der Zwischenzeit ist Frank Braun aus Afrika, wo er die letzten Jahre verbracht hatte, zurückgekehrt. Vom Gelingen des Alraune-Experiments ahnt er nichts. Als er seinen Onkel aufsuchen will, begegnet er dem Mädchen im Garten und erkennt rasch, mit wem er es zu tun hat. Trotzdem ist er fasziniert und verabredet mit ihr ein abendliches Treffen.
Ten Brinken lehnt es ab, seinen Neffen zu sehen. Seine Probleme haben sich zugespitzt; sein Anwalt hat ihm geraten, schnellstens in Ausland zu fliehen. Alraune hat vom Tode Wölfchens erfahren. Sie sucht Petersen auf und muß seine Verhaftung miterleben. Wütend klagt Petersen die junge Frau an und verrät beinahe das Geheimnis ihrer Herkunft.
Zurückgekehrt ins Haus des Geheimrats, verwirrt und verängstigt, weigert sich Alraune dem Onkel ins Ausland zu folgen, obwohl er sie ein ums andere Mal anfleht. Als die Polizei eintrifft, um nun auch ihn zu verhaften, erschießt er sich, nicht ohne vorher eine Liste der Opfer Alraunes geschrieben zu haben. Alraune sucht Schutz bei Frank. Gemeinsam beschließen sie, nach Afrika auf die Farm Franks zu gehen. Dazu kommt es nicht.
Die Fürstin sucht Alraune auf, um das Geld, das sie einstmals dem Geheimrat anvertraut hatte, einzufordern. Die junge Frau weigert sich und verweist die erboste Frau an Frank Braun, der als ihr Vormund bestellt worden ist. Ärgerlich deckt Fürstin Wolkonska das Geheimnis von Alraunes Geburt auf.
Durch die Aufzeichnungen des Geheimrats muß Alraune die Wahrheit des Erzählten erkennen und auch die Opferliste bleibt ihr nicht verborgen. Als letzten Namen hatte ten Brinken „Frank Braun“ eingetragen. Den Tod des Geliebten will Alraune nicht verschulden: Sie begeht Selbstmord.
Alraune (1952)
Eine weitere Verfilmung des Alraune-Stoffes lieferte 1952 Arthur Maria Rabenalt. In der Rolle der Alraune war Hildegard Knef zu sehen. Frank Braun wurde von Karlheinz Böhm gespielt und ten Brinken von Erich von Stroheim. Der Film greift zwar in groben Zügen die Handlung des Romans auf, differenziert die Reihenfolge der Geschehnisse jedoch und beschert dem künstlichen Wesen ein anderes Ende als die früheren Verfilmungen.
Der Inhalt
Professor ten Brinken wird in die Klosterschule bestellt, weil seine Tochter Alraune sich den dortigen Verhältnissen nicht anpassen mag und deshalb der Schule verwiesen werden soll. Alraune aber hat längst das Weite gesucht und hält sich auf dem Brinkenhof auf. Dort wird sie von Frank Braun, dem Neffen des Professors, entdeckt.Frank berichtet seinen Freunden überrrascht von der Erscheinung, hat er doch bisher nichts von einem jungen Mädchen im Hause des Onkels gewußt. Da die Freunde ihm keinen Glauben schenken, machen sie sich gemeinsam auf, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Im Park des Brinkenhofes gewahren sie eine singende junge Frau. Als Frank Braun ihr ins Haus folgt, offenbart sie sich ihm als Tochter ten Brinkens und verabredet ein Treffen mit ihm.
Inzwischen ist der Professor in sein Haus zurückgekehrt. Er ist allerdings nicht erfreut von der Anwesenheit des Neffen, der nur wieder Geld von ihm will. Frank verlangt jedoch auch Auskunft über die angebliche Tochter, aber ten Brinken weicht den Fragen aus.
Alraune, die gelauscht hat, wird vom Vater erwischt und fordert nun ihrerseits Aufklärung über ihre Mutter; sie erfährt lediglich, dass diese bei der Geburt gestorben sei. Frank Braun interessiert sich immer noch für die Herkunft von Alraune und sucht die Fürstin Wolkonska auf, deren Tochter Olga ebenfalls aus dem Internat zurückgekehrt ist und auf eine Verlobung mit Frank hofft.
Auch die Fürstin weicht den Fragen des jungen Mannes aus, bietet ihm aber Geld, damit er sein Medizinstudium an der Pariser Sorbonne fortsetzen könne. Der mittellose Frank kann dieses Angebot nicht ausschlagen, trifft sich aber vor der Abreise mit Alraune im Garten des Onkels. Das Mädchen fasziniert ihn und so beschließen sie, gemeinsam nach Paris zu reisen.
Von diesem Plan erfährt ten Brinken und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Neffen über Alraunes Geburt sowie ihre Eltern: eine Dirne und einen Verbrecher, aufzuklären. Panisch ergreift Frank Braun die Flucht; Alraune wartet vergeblich.
Am nächsten Morgen wird sie von Franks Abreise unterrichtet; da sie trotzdem nicht in eine Klosterschule zurückmöchte, erhält sie eine Gesellschafterin.
Die Angestellten ten Brinkens sind über die Anwesenheit Alraunes auf dem Brinkenhof nicht beglückt. Die Chauffeursfrau Lisbeth überredet ihren Mann Mathieu, die Stelle aufzugeben, weil ihr die junge Frau unheimlich erscheint. Dem Professor jedoch scheint die Ziehtochter Glück zu bringen. Als ein Acker versteigert werden soll, rät sie ihm, diesen zu kaufen. Anfangs ist er unsicher, aber als Alraune dort graben läßt, tritt eine Heilquelle zutage. Gemeinsam mit Fürstin Wolkonska beschließt ten Brinken, an dieser Stelle ein Kurhaus erbauen zu lassen, dessen Betrieb ihm zu Geld und Ehren verhelfen soll.
Alraune indessen kann Frank nicht vergessen. Beharrlich schreibt sie ihm nach Paris, aber ihre Briefe kommen ungeöffnet zurück. Die Fürstin berichtet von der bevorstehenden Verlobung Franks mit ihrer Tochter Olga. Alraune kocht vor Wut. Als die Fürstin Olga auf dem Brinkenhof zurückläßt, sieht Alraune ihre Chance zur Rache gekommen: Sie probiert, Olga davon zu überzeugen, dass Frank sie nicht liebt. Das Mädchen versucht sich daraufhin mit Schlafpulver zu töten, überlebt aber. Der Kutscher Mathieu hat gekündigt, muß aber zuvor mit Alraune nochmals ausfahren. Es kommt zu einem Unfall, bei dem Mathieu den Tod findet.
Die unterschiedlichsten Männer sind Alraune verfallen: Graf Geroldingen, der auf eine Heirat mit ihr hofft, Wolf Gontram, ein junger Maler und Dr. Mohn, ein Angestellter ten Brinkens, der Alraune hilft, die Gesellschafterin loszuwerden, indem er ihr den Diebstahl eines Colliers anhängt.
Als das Kurhaus fertiggestellt ist, findet ein Ball zur Einweihung statt. Auch Frank Braun, der sein Medizinstudium beendet hat, findet sich ein. Alraune ist überglücklich, aber der Geliebte weicht ihr aus. Um Frank eifersüchtig zu machen, tanzt sie mit Wolf Gontram. Obwohl dieser unter starkem Husten leidet, überredet sie ihn, mit ihr den Balkon aufzusuchen. Wolf wird diese Torheit nicht überleben. Auch Graf Geroldingen muß für seine Liebe zu Alraune büßen: Er duelliert sich mit Dr. Mohn und kommt dabei um.
Alraune kann sich all das Unglück, das sie umgibt, nicht erklären und bittet Frank um Hilfe. Durch seine Zuneigung erkennt sie das Wesen des Lebens und der Liebe. Sie beichtet ten Brinken ihr Verhältnis zu Frank. Doch dieser will davon nichts hören. Als Alraune ihm trotzdem eröffnet, dass sie mit Frank leben wird, gibt er das Geheimnis ihrer Geburt preis und klagt sie all der Männer an, die ihrem Dasein zum Opfer gefallen waren.
Alraune erkennt, dass sie Frank nicht glücklich machen wird und beschließt, bei dem Professor zu bleiben. Frank aber gibt nicht auf. Als er das Mädchen aufsuchen will, flieht sie vor ihm in den Wintergarten. Er findet sie und versucht sie davon zu überzeugen, dass sie ein Mensch wie jeder andere ist. Noch zweifelt sie: „Ich bin geboren aus den bösen Gedanken eines bösen Menschen.“
Doch Frank bemüht sich zärtlich um sie. Den Brinkenhof mit der Geliebten zu verlassen, gelingt ihm aber nicht mehr: Alraune wird von ten Brinken erschossen. „Sie war mein Geschöpf, und ich wollte nicht, dass sie einem anderem gehört.“ Ten Brinken wird zum Tod am Galgen verurteilt.
Ein Film mit dem Titel „Alraune und der Golem“, entstanden 1919 nach einem Roman von Achim von Arnim, verbindet die Alraunen-Sage mit dem Golem-Mythos. Die Regie führte Nils Chrisander, die Kamera Guido Seeber. Alraune ist hier ein Mad Scientist, der sich mit der Herstellung eines künstlichen Menschen beschäftigt: Eine Prostituierte wird mit dem Samen eines gehenkten Verbrechers geschwängert.
Quelle:
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