Pfingstbräuche in Brandenburg

Pfingstmaien

In vielen Landkreisen Brandenburgs ist es üblich, zu Pfingsten das Haus mit Birkengrün zu schmücken, den sogenannten Pfingstmaien.

Birkengrün

Das war nicht immer gern gesehen, wurden wohl dafür manche Wälder ziemlich geplündert und manche Leute sahen den Brauch sogar als heidnisch an. In "Havelländer Jahreslauf" schreibt Erika Guthjahr, dass es im Jahr 1747 sogar zu einem Maibaumverbot kam.

In der Uckermark wurden neben Birkenzweigen auch Kalmusblätter verwendet, die einen angenehmen Geruch verströmen. Diese wurden nicht nur außen am Haus angebracht, sondern hinter Spiegel gesteckt und auf Wegen verstreut. Sträuße aus Maiengrün in Stuben und Ställen sollten Menschen und Tiere vor Krankheiten schützen.

In einigen Orten der Prignitz rahmten junge Burschen die Fenster ihrer Angebeteten mit Birkengrün ein. Unbeliebte Mädchen hingegen mussten mit einem Faulbaum vor der Tür rechnen, dessen Rinde übrigens als Abführmittel verwendet werden kann.

Der Brauch des Ausmaiens, im Prignitzer Platt auch Utmaien genannt, kann heute noch vielerorts beobachtet werden. Hierfür werden an beiden Seiten der Haustür oder des Hoftors Birkenzweige aufgestellt.

Das Schlagen des Maigrüns war in den Dörfern traditionell die Aufgabe junger Männer. Am Sonnabend wurde das Birkengrün geholt und am Pfingstsonntag zu den einzelnen Häusern gebracht. Verbunden war das meistens mit dem Aufsagen eines Spruchs und der Bitte um Eier, Speck und Schnaps. Wurde das letzte Haus im Ort erreicht, waren die Männer oft schon so betrunken, dass anstelle des Pfingstspruches nur noch Kauderwelsch herauskam. Ich habe das selbst einmal zu Beginn der 1980er im Dörfchen Mankmuß erlebt und war sehr erheitert. Folgender Spruch war hier in verschiedenen Abwandlungen gebräuchlich:

Haehne und Henne

Pingsten kömp mit 'nem greunen Wagen.
Gäwst de uns keen Eier nich,
pedd de Hahn de Heuner nicht ...

Auf Hochdeutsch: Pfingsten kommt mit 'nem grünen Wagen. Gibst du uns keine Eier, tritt der Hahn die Hühner nicht. Das heißt, es wird keine Küken geben.

Neben dem Schmücken mit frischem Grün gibt es weitere, regionale Bräuche, die teilweise schon in Vergessenheit geraten sind. Im Fläming wurde früher zu Pfingsten der Maibaum aufgestellt. Heute steht er oft schon seit dem 1. Mai.

Stollenreiten und Reiterprozessionen

Die Dorfjugend wetteiferte in älteren Zeiten bei Reiterwettkämpfen gegeneinander, dem sogenannten Stollenreiten. Bis zu Beginn der 1950er Jahre fanden diese Wettkämpfe als Ringstechen statt und sie waren jedes Jahr ein großes Fest. Die Sieger wurden mit Kränzen belohnt, welche die jungen Mädchen vorher sorgsam geflochten hatten. In Neumarkt, heute einem Teil von Jüterbog, fand das Stollenreiten am Pfingstmontag statt. Vorher wurden die Pferde bunt geschmückt und die Mädchen überreichten den Reitern jeweils eine Stolle, wobei es sich wohl um das gleiche Gebäck handelt, das allgemein aus der Weihnachtszeit bekannt ist. Neben dem Stollenreiten gab es im Fläming auch Reiterprozessionen und Ausritte entlang der Grenzen der jeweiligen Ortschaft.

Radtouren, Kremserfahrten und Pfingstschießen

Im havelländischen Ort Rathenow war es früher Tradition, am Pfingstmorgen eine Radtour oder eine Kremserfahrt zu unternehmen. Außerdem waren bei jungen Mitgliedern von Turnvereinen Schnitzeljagden beliebt und bis 1870 fanden sich die Rathenower zum Pfingstschießen ein, bei dem auf einen Adler aus Holz geschossen wurde.

Radfahrer

Zu Pfingsten geht es mit dem Rad ins Grüne

Pfingstochsen

Eine weitere Tradition war das Schmücken eines Ochsen, welcher die Rinder beim Austrieb auf die Weide anführte. Zum Schmücken wurden bunte Bänder und Blumen verwendet. In der Uckermark wurde nicht nur der erste Ochse geschmückt, sondern alle Tiere erhielten einen Maibusch. Zum Pfingstochsen wurde das letzte Tier. Es bekam einen Kranz um den Hals gelegt und seine Führerin wurde mit Spott überhäuft. Noch schlimmer erwischte es den letzten Hütejungen und die letzte Kuh in der Uckermark. Der Hütejunge wurde mit grünem Buchenlaub umwickelt und als Pfingstlümmel verspottet; der Kuh wurde ein dünnes Strohseil um die Hörner gebunden.

Pfingstknallen

In der Uckermark verbreitet war das Pfingstknallen. Je nach Ort zogen alle Knechte oder nur die Pferdejungen bei einem Umzug durch den Ort und ließen dabei ihre Peitschen knallen, die sie mit bunten Bändern geschmückt hatten. Dabei wurden wie bei den weihnachtlichen und österlichen Heischegängen verschiedene Gaben eingesammelt. Wer am meisten zusammenbekam, wurde zum Pfingstkönig.

Maipuppe und Pfingstsingen

Faule Leute wurden in der Uckermark und in manchen Orten in der Prignitz mit einer Maipuppe bestraft. Wer zu dieser Zeit seinen Garten noch nicht umgegraben hatte, dem wurde eine Puppe aus Stroh in den Garten gesetzt. Bis ins 19. Jahrhundert trafen sich zu Pfingsten junge Mädchen und Burschen zum Pfingstsingen. Zunächst sangen sie in einer Scheune und noch vor Sonnenaufgang machten sie sich singend auf den Weg durchs Dorf. Eine reiche Ernte sollte das Aussäen von Gurken- und Kürbiskernen am Pfingstmorgen während des Läutens der Kirchenglocken bringen.

Im Prignitzer Ort Groß Breese trafen sich bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ledige junge Männer zum Eiersingen. Zunächst wurde in der Kneipe beim Biertrinken geübt und dann ging es ab 22 Uhr singend durchs Dorf. Dabei wurden in einer Kiepe Eier eingesammelt, die hinterher in der Kneipe zu Eierbatz verarbeitet und verspeist wurden. Blieben Eier übrig, durfte sie der Wirt verkaufen.

Kaudernest

Ein Brauch aus der Uckermark ist das Kaudernest. Als solches wurde die Verkleidung aus Pfingstgrün bezeichnet, die der Anführer einer Prozession von jungen Mädchen und Burschen beim Gang durchs Dorf trug. Kaudernest bedeutete Katzennest. Vor jedem Haus blieb die bunte Schar stehen, gab ein Lied zum Besten und erwartete beschenkt zu werden. Im Anschluss ging es in die Dorfkneipe und alle vergnügten sich bei Speis und Trank. Das Kaudernest wurde entweder in einem Gewässer versenkt oder verbrannt.

Rosenbluete-rosa

Quellen

* Feste im Jahres- und Lebenslauf in der Prignitz, Wolfram Hennies, Verlag für Regional- und Zeitgeschichte Die Mark Brandenburg, Berlin 2017 (Direktsuche bei Amazon*)
* Havelländer Jahreslauf - Bräuche und Rezepte, Erika Guthjahr, Heimatverlag Guthjahr, Rathenow 1994
* Im Fläming, Teil 1, Günter Koppehele, Treibgut Verlag, Berlin 2017 (Direktsuche bei Amazon*)
* Im Fläming, Teil 2, Günter Koppehele, Treibgut Verlag, Berlin 2020 (Direktsuche bei Amazon*)
* Osterstüpen, Hochtid, Gausbraden. Bräuche aus der Uckermark / herausgegeben vom Brandenburgischen Kulturbund e.V. Templin, Schibri-Verlag, Uckerland 1998 (Direktsuche bei Amazon*)
* So ist's Brauch. Bräuche und Traditionen im Jahreslauf in der Uckermark und im Barnim, Dr. Lutz Libert, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, Schwedt 2019

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