Osterwasser

Das Osterwasser ist einerseits in der Kirche das in der Osternacht bereitete Taufwasser und andererseits im Volksglauben ein Wasser mit nachgesagter Heil- und Segenskraft. Wasser, das am Ostersonntag noch vor Sonnenaufgang aus einem fließenden Gewässer geschöpft wird, soll demnach schön machen und die Jugendlichkeit bewahren. Aber auch beim Vorbeugen und Heilen von Krankheiten soll es Wunder wirken. Im Land Brandenburg sind mehrere Bräuche rund um das Osterwasser überliefert.

Osterwasser im Havelland

In Rathenow im Havelland holten die Mädchen das Osterwasser aus dem Körgraben, der bis 1892 offen durch die Neustadt floss, und später aus der Havel. Das Wasser musste schweigend vor Sonnenaufgang am Ostersonntag geschöpft werden. Nur dann zeigte es seine Wirkung und konnte die Schönheit fördern, heilende Kräfte entfalten sowie zu einer baldigen Heirat verhelfen. Waren die Nächte hell, sollte sogar das Bild des zukünftigen Ehemanns im Wasser zu sehen sein. Auch aus anderen Orten des Havellands ist das Holen des Osterwassers überliefert. Meistens waren es Frauen und Mädchen, die sich nachts auf den Weg machten. In Friesack und Pritzerbe sollen aber auch Männer dabeigewesen sein und in manchen Orten des Südhavellands wurde das Wasser nur von Männern geholt.

Osterwasser in der Uckermark und im Barnim

In der Uckermark und im Barnim wurde das Osterwasser in einigen Orten bereits am Karfreitag vor Aufgehen der Sonne geschöpft. In anderen hingegen galt auch hier der Sonntag als der Tag des Osterwasserholens durch junge Mädchen. Entscheidend war es, dass diese den Weg zum Gewässer schweigend zurücklegten. Nur beim Schöpfen des Wassers durfte der folgende Spruch geflüstert werden:

Wasser aus der Osterquelle,
mach' das Aug' und Herz mir helle.
Segne meinen Lebensbund,
mach die Seele mir gesund.

Danach wurde über dem geschöpften Wasser dreimal das Kreuzzeichen gemacht. Auch der Rückweg musste wort- und lautlos zurückgelegt werden. Das soll allerdings nicht immer einfach gewesen sein, da sich junge Burschen oftmals den Spaß machten, die Mädchen zum Reden oder Lachen zu verleiten. Damit war die Wirksamkeit des Osterwassers dahin und es wurde zum Plapperwasser, wie es Manfred Becker-Huberti im "Lexikon der Bräuche und Feste" nennt.

Konnte das Wasser unbeschadet nach Haus gebracht werden, sollte es als Waschwasser Schönheit und Gesundheit bringen. Hautunreinheiten und sogar Sommersprossen sowie Leberflecken sollten davon verschwinden. Wer nach einem zukünftigen Ehemann Ausschau hielt, tupfte sich etwas von dem Wasser an die Stirn und an die Brust, da wo das Herz schlägt. Selbst vor Arbeitslosigkeit sollte das Waschen mit dem Osterwasser bewahren. Daneben diente es zum Segnen aller Familienmitglieder, des Viehs und wichtiger Gegenstände, in dem diese damit besprengt wurden. Dem Osterwasser wurden Heilkräfte nachgesagt, die besonders bei Augenleiden wirken sollten.

Osterwasser in der Prignitz

In der Prignitz holten junge Mädchen das Wasser schweigend vor Sonnenaufgang aus einem Fließgewässer. Hier kam allerdings noch erschwerend dazu, dass das Wasser gegen den Strom und rückwärtsgehend geschöpft werden musste. Außerdem wurde gleich ein größerer Vorrat herbeigeschafft und in Flaschen abgefüllt. Manche schöpften das Osterwasser bereits nach Mitternacht, denn es hieß, dann würde es wie Wein schmecken. Um die Mädchen zu erschrecken und zum Sprechen oder Aufschreiben zu bringen, verkleideten sich in manchen Orten junge Männer mit weißen Laken und lauerten ihnen auf.

Mit dem Osterwasser wurden die Türschwelle besprengt, um Segen über das Haus zu bringen. Das Wasser kam aber auch in den Brotteig und in die Tränke des Viehs, um Menschen und Tiere gesund zu halten. Wie in der Uckermark hieß es auch in der Prignitz, dass das Osterwasser besonders gut gegen Augenleiden wirkt und alle, die sich damit waschen, gesund und schön bleiben. Auch als Mittel gegen Sommersprossen sollte es hier besonders wirksam sein.

Osterwasser in der Niederlausitz

Kurzsichtigkeit und Hautunreinheiten sollten in der Niederlausitz durch das Osterwasser geheilt werden können. Außerdem ließ es Sommersprossen verblassen und machte schön, wenn man sich damit wusch. Junge Mädchen und Frauen schöpften das Wasser in der Osternacht gegen den Strom aus Gewässern, welche von Ost nach West flossen. Das Sprechen beim Holen des Osterwassers sollte nicht nur dessen schönheitsfördernde und heilsame Kräfte negativ beeinflussen, sondern im schlimmsten Fall schmeckte es dann sogar faulig. Wie in der Prignitz wurde auch in der Niederlausitz ein Jahresvorrat von dem wertvollen Wasser angelegt.

In der Gegend um Drebkau war es Brauch, nahe der Gewässer große Feuer zu entfachen. In einigen Orten schossen junge Burschen dabei mit Gewehren oder trieben allerlei Schabernack. Das Laufen mit brennenden Fackeln über die Felder sollte die Ernte, das Vieh und die Menschen vor bösem Zauber durch Hexen schützen. In manchen Orten wurden zu diesem Zweck an den vier Feldecken geweihte Kugeln abgeschossen.

Osterwasser im Teltow-Fläming

Im Fläming hieß es:

Osterwoater werd in de Nacht tum
Otersonndach odder an’ Ostermorjen voa’n Sunnenupjang
uut eene Bäeke jescheppt.

Also: Osterwasser wird in der zum Ostersonntag oder am Ostermorgen vor Sonnenaufgang aus einem Bach geschöpft. Ganz zu eng sah man es hier jedoch nicht, denn wenn es in der Nähe keinen Bach oder ein anderes fließendes Gewässer gab, durfte das Wasser auch aus einem Brunnen geholt werden.

Holzeimer

Wichtig war es aber auch hier, dass auf dem Weg zur Schöpfstelle geschwiegen wurde. Sonst wurde nämlich Plapperwasser ohne Heilwirkung aus dem Osterwasser.

Wie in den anderen Brandenburger Regionen sollte das Waschen mit dem Wasser gegen unreine Haut helfen sowie gesund und schön machen. Damit Menschen und Tiere das ganze Jahr über gesund blieben und vor Hexerei geschützt waren, wurden sie mit dem Osterwasser besprengt.


Quellen:

* Aberglauben & Brauchtum aus der Niederlausitz, Sonja Franz und Inka Lumer, Regia Verlag Cottbus, 2005
* Havelländer Jahreslauf - Bräuche und Rezepte, Erika Guthjahr, Heimatverlag Guthjahr, Rathenow 1994
* Im Fläming - Geschichte und Geschichten, Teil 1, Günter Koppehele, Treibgut Verlag, Berlin 2017
* Lexikon der Bräuche und Feste, Manfred Becker-Huberti, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2001
* Prignitzer Bräuche im Jahres- und Lebenslauf, Wolfram Hennies, Die Mark Brandenburg - Verlag für Regional- und Zeitgeschichte, Berlin 2017
* So ist's Brauch. Bräuche und Traditionen im Jahreslauf in der Uckermark und im Barnim, Dr. Lutz Libert, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, Schwedt 2019

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