Osterstüpen

Das Osterstüpen ist ein Brauch, der in einigen Teilen Brandenburgs verbreitet ist, aber als Stiepern auch in Norddeutschland gepflegt wurde. Als Schmackostern ist diese Tradition sogar schon aus dem Mittelalter bekannt. In Polen kennt man sie als Smaganie, in Tschechien als Pomlázka und in der Slowakei als Šibačka.

Wie bei den meisten Bräuchen gibt es auch beim Osterstüpen regionale Varianten, wenngleich alle auf der gleichen Basis beruhen: Mit grünen Zweigen, den sogenannten Lebensruten, wird durch leichte Schläge der Winter ausgetrieben und das Erwachen der Natur im Frühling gefeiert. Leichte Schläge mit der Lebensrute sollen zudem die Gesundheit fördern.

In der Uckermark und im Barnim nutzten junge Burschen am Ostersonntag Birkenruten, um durch sanfte Schläge damit Mädchen aus dem Bett zu treiben. Dr. Lutz Libert berichtet in "So ist's Brauch", dass diese Gepflogenheit von Kirchenherren und Administration nicht gern gesehen war. Im Jahr 1719 wurde das Osterstüpen in Hohenfinow sogar durch einen Erlass verboten, nachdem es bereits 1693 ein Verbot durch den Kurfürsten Friedrich III. in der Gegend um Templin gab. Gänzlich ließ es sich allerdings nicht verhindern und so wurde es noch bis weit ins 19. Jahrhundert auch durch Kinder praktiziert, die dazu Sprüche wie diesen aufsagten:

Stüp, Ostern, stüp, Ostern,
tief Eier, 'n Stück Speck,
von'n Koken (Kuchen) de Eck,
süns geh ik nich wech.

In der Prignitz wurde das Osterstüpen auch Stäupen genannt, was bedeutet, jemanden mit der Rute zu züchtigen. Zumeist waren es Kinder, die mit einer Birkenrute ihre Eltern am Ostersonntag aus den Betten trieben, aber auch junge Mädchen wurden durch Burschen auf diese Weise geneckt. Zum Teil war das Stüpen mit Heischegängen verbunden. Junge Männer zogen dann mit ihren Birkenruten durchs Dorf und verlangten mit einem Spruch nach Eiern, Speck, Mettwurst, Schnaps oder anderen Leckereien. Diese wurden dann zum Schluss gemeinsam verzehrt. Einer dieser Sprüche war zum Beispiel:

Stüp, stüp Osterei.
Tante Muhme, gew mi 'n Ei.
Gew mi 'n Stück Speck,
da spring ich met üm de Eck.
Gew mi 'n Stück Koken (Kuchen),
da kann ick god nah joken (jauchzen).
Gewst du mi keen Osterei,
stüp ick die Schötteln (Schüsseln) un Teller entzwei.

In Rathenow hieß das Osterstüpen Osterstiepen. Es wurde hier durch Kinder noch bis in die 1960er Jahre ausgeübt, welche beispielsweise diesen Vers dazu aufsagten, schreibt Erika Guthjahr in "Havelländer Jahreslauf".

Stiep, stiep, Osterei,
gibst du mir kein Osterei,
hau ich dir das Hemd entzwei.

Im Fläming zogen junge Männer in der Nacht zum Ostermontag mit Birkenruten zu ihren Angebeteten und wurden von diesen für die leichten Liebesschläge und für das Aufsagen ihres Spruchs meistens mit einem Osterei belohnt.

Quellen:

* Havelländer Jahreslauf - Bräuche und Rezepte, Erika Guthjahr, Heimatverlag Guthjahr, Rathenow 1994
* Im Fläming - Geschichte und Geschichten, Teil 2, Günter Koppehele, Treibgut Verlag, Berlin 2020
* Prignitzer Bräuche im Jahres- und Lebenslauf, Wolfram Hennies, Die Mark Brandenburg - Verlag für Regional- und Zeitgeschichte, Berlin 2017
* So ist's Brauch. Bräuche und Traditionen im Jahreslauf in der Uckermark und im Barnim, Dr. Lutz Libert, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, Schwedt 2019

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Birke

Zweige von der Birke werden gern zum Osterstüpen genutzt

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