Eiertrudeln

Zu den österlichen Bräuchen abseits der Religion gehörten früher Osterspiele, die mit hart gekochten Ostereiern gespielt wurden. In vielen Regionen Deutschlands traten am Ostersonntag oder am Ostermontag Kinder beim Eierwettlauf oder beim Eierpicken gegeneinander an und auch das Eiertrudeln ist unter vielen Namen weitläufig bekannt. Es heißt zum Beispiel Ostereierschieben, Eiertrullern, Eierrollen, Eierkullern und Waleien. Wie beim Namen gibt es auch bei den Spielregeln verschiedene Varianten. Der Ursprung des Eiertrudelns soll auf den Glauben zurückgehen, dass das Rollen von Eiern über die Felder förderlich für das Gedeihen der Feldfrüchte wäre. Das Spiel entwickelte sich aus diesem Brauch erst später.

Goldene Ostereier

Im östlichen Havelland wurde das Eiertrudeln Eierrollen genannt, während es westlich von Rathenow als Eierkullern bekannt war. Die Eier wurden an Hängen heruntergerollt. Örtlich gab es unterschiedliche Regeln. In manchen Ortschaften handelte es sich eher um ein Eier-Weitrollen, beim dem derjenige Sieger einer Spielrunde war, dessen Ei am weitesten rollte. Eine andere Spielart war das Einkassieren von Eiern der Spielgegner. Durch geschicktes Zielen mussten mit dem eigenen Osterei andere getroffen werden. Wenn bei diesen die Schale einknickte, gehörten sie dem aktuellen Spieler. Sieger war derjenige, der zum Schluss die meisten Eier ergattern konnte. Nach ähnlichen Regeln fand das Eiertrudeln oder Ostereierkullern im Fläming statt.

Goldeier

Die Sorben in der Niederlausitz und die Bewohner der Stadt Dahme/Mark im Teltow-Fläming nannten das Eiertrudeln Waleien. Als Walei wurde eine abschüssige Bahn bezeichnet, an deren Ende sich eine Grube befand. Ein Spieler legte ein Osterei in die Grube, der nächste ließ eines die Bahn herunterrollen. Konnte er das Ei in der Grube treffen, gehörten ihm beide. Wenn es verfehlt wurde, blieb das Ei in der Grube und der nächste Spieler versuchte sein Glück. Wer am Ende die meisten Eier einheimsen konnte, hatte das Spiel gewonnen.

Goldene Eier

In der Uckermark und im Barnim lassen noch heute Kinder die Ostereier trudeln, schreibt Dr. Lutz Libert in "So ist's Brauch". Beliebte Treffpunkte hierfür sollen der Hausberg bei Eberswalde und der Turmberg bei Stolpe sein. Früher gab es neben dem Eiertrudeln einen weiteren Brauch, und zwar das Eierpicken. Dabei stießen zwei Spieler ihre Ostereier gegeneinander. Welches dabei in der Schale angeknickt wurde, gehörte dem Spielgegner.

In der Prignitz hatten die Kinder mit dem Eiertrudeln an Eierbergen oder Eierkuhlen zu tun, während sich die Dorfjugend beispielsweise bei den Spielen "Dritten abschlagen" oder "Blinde Kuh" vergnügte. Das Eiertrudeln fand in einigen Orten am Ostersonntag und in anderen erst am Ostermontag statt.

Quellen:

* Aberglauben & Brauchtum aus der Niederlausitz, Sonja Franz und Inka Lumer, Regia Verlag Cottbus, 2005
* Havelländer Jahreslauf - Bräuche und Rezepte, Erika Guthjahr, Heimatverlag Guthjahr, Rathenow 1994
* Im Fläming - Geschichte und Geschichten, Teil 1, Günter Koppehele, Treibgut Verlag, Berlin 2017
* Prignitzer Bräuche im Jahres- und Lebenslauf, Wolfram Hennies, Die Mark Brandenburg - Verlag für Regional- und Zeitgeschichte, Berlin 2017
* So ist's Brauch. Bräuche und Traditionen im Jahreslauf in der Uckermark und im Barnim, Dr. Lutz Libert, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, Schwedt 2019

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