Lichtmess - Traditionen und Bauernregeln aus Brandenburg

Der 2. Februar spielte in der christlichen Religion bereits seit dem 5. Jahrhundert eine Rolle. Am 40. Tag nach der Geburt von Jesus wurden der Jahresbedarf an Kerzen für religiöse Rituale oder die Verwendung innerhalb der Familien geweiht. Heute oft kurz Lichtmess genannt, ist der 2. Februar auch als Tag der Darstellung des Herrn und als Mariä Lichtmess bekannt.

Der Lichtmesstag hatte in früheren Zeiten vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen aber noch eine weitere Bedeutung. Und zwar begann an diesem Tag das Bauernjahr, in der Uckermark auch Bauernneujahr genannt. Die Tage wurden länger und es wurde Zeit, die Vorbereitungen für die Feld- und Gartenarbeit zu treffen. Wenn du in den letzten Tagen aufmerksam durch Gartenmärkte oder große Discounter gegangen bist, wirst du sicher gesehen haben, dass vielerorts Aufsteller mit Saatgut zu sehen sind. Auch heute noch stehen Landwirte und Gärtner sowie Hobby- und Balkongärtner in den Startlöchern für die nächste Saison.

Eierkuchen mit Erdbeeren

Plinsen sind eine Art Eierkuchen

In der Niederlausitz und in der Prignitz wurde der 2. Februar auch Marientag beziehungswiese Wintermarie genannt. Es war an diesem Tag Brauch, möglichst viele Plinze zu backen und zu essen. Je mehr Plinze, umso besser sollte das Getreide gedeihen. Auf Höfen mit Gänsezucht sollte die Anzahl des Gebäcks Auskunft über die Anzahl der Junggänse geben.

Plinze, im Sorbischen plinc, sind auch als Plinsen, Blinsen oder Flinsen bekannt. Es handelt sich dabei um einen in der Pfanne gebackenen Kuchen aus Eiern, Salz, Mehl und Milch. Varianten sind Quarkplinsen und Buttermilchplinsen. Solcherart Pfannkuchen sind als Lichtmessecrêpes auch in anderen deutschen Regionen bekannt. Im Rheinland nennt man sie Kreppchen. Gelang es bei der Zubereitung des ersten Kreppchens diesen so zu wenden, dass er genau in der Mitte der Pfanne landete, sollte das ganze Jahr über das Geld nicht ausgehen.

Kopf eines Wolf

Der Wolf war bei abergläubischen Bauern weniger gefürchtet, als Sonne zu Lichtmess.

Schönes Wetter war zu Lichtmess eigentlich nicht gern gesehen. Niederlausitzer Schäfer befürchteten, dass Sonne an diesem Tag zu einem Ausfall von Schafen in den nächsten Monaten führen könnte. Ähnliche Ängste scheinen Schäfer und Viehbauern auch andernorts gehabt zu haben, denn es gibt mehrere Bauernregeln dazu.

  • Lieber den Fuchs im Hühnerstall, als zu Lichtmeß einen Sonnenstrahl.
  • Zu Lichtmessen hat der Schäfer lieber den Wolf als die Sonne im Stall.
  • Dem Bauern ist es lieber, zu Lichtmess einen Wolf auf dem Hof zu sehen als einen Drescher in Hemdsärmeln, denn ist das Wetter zu gut, wird es nachher wieder schlecht.

Dass der Drescher erwähnt wird, liegt daran, dass das meistens im November begonnene Dreschen des Getreides zu Lichtmess beendet war.
Ganz einig waren sich die Bauern mit ihren Regeln allerdings nicht, denn in der Prignitz hieß es auch:

  • Lichtmissen düüster warden Immen licht un Schap slicht, Lichtmissen hell un kloor warden Schap und Immen gaud swor. (Lichtmess düster, werden Bienen und Schafe schlecht, Lichtmess hell und klar, werden Schafe und Bienen gut schwer.)
  • Lichtmess kloor, Roggenohr swor. (Lichtmess klar, Roggenähre schwer.)

Am Wetter des Lichtmesstages sollte sich alten Bauernregeln nach zeigen, wann es Frühling wird. In der Prignitz hieß es:

  • Lichtmess hell un klor, is de Winter noch soeben Wochen dor. (Lichtmess hell und klar, ist der Winter noch sieben Wochen da.)
  • Woans Lichtmiss d' Wind kümpt, von da kümpt he bet Maidag. (Woher zu Lichtmess der Wind kommt, daher kommt er bis zum 1. Mai.)

Andererseits verabschiedeten sich die Bauern am 2. Februar aber auch vom Winter, wie die folgenden Prignitzer Bauernregeln besagen:

  • Lichtmess traut d'Voss 't lis nicht mehr. (Lichtmess traut der Fuchs dem Eis nicht mehr.)
  • Lichtmess is dei Dag 'n Hahnenschrie länger. (Lichtmess ist der Tag einen Hahnenschrei länger.)

In Jüterbog (Teltow-Fläming) hieß es über den Lichtmesstag:

  • Mariä Lichtmeß pust't Licht aus. (Das bedeutete, dass morgens kein Licht mehr angemacht werden musste.)

Quellen:

* Brauchtum & Aberglauben in der Niederlausitz, Sonja Franz und Inka Lumer, Regia Verlag Cottbus, 2005
* Feste im Jahres- und Lebenslauf in der Prignitz, Wolfram Hennies, Verlag für Regional- und Zeitgeschichte Die Mark Brandenburg, Berlin 2017
* Lexikon der Bräuche und Feste, Manfred Becker-Huberti, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2000

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