Der alte Fritz geht um

Eine Sage aus Potsdam

Gegen seinen Willen wurde der Alte Fritz in der Potsdamer Garnisonkirche begraben. Geisterte er danach durch die Gegend, wie es in der Sage erzählt wird?

Die Sage

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.
Die Potsdamer Garnisonkirche, in deren Gruft der Alte Fritz begraben liegt, wird manchmal um Mitternacht ganz hell im Innern, Orgelspiel ertönt, es öffnen sich die Türen weit, und der Alte Fritz kommt hoch zu Roß herausgeritten.

Die Schildwachen haben den König deutlich erkannt und vor ihm präsentiert; aber das Pferd des Königs ist ohne Kopf gewesen. Er reitet nun durch die nächtliche Stadt bis hinaus nach Sanssouci, kehrt auf gleichem Weg zurück und betritt wieder die Kirche, deren Türen sich dann schließen.

Das Reiterstandbild im Park von Sanssouci aber soll sich jedesmal umwenden, wenn der König die Gruft verläßt.

Der Alte Fritz

Über den Alten Fritz ist schon viel berichtet und geschrieben worden. Der spätere König von Preußen wurde am 24. Januar 1712 im Berliner Stadtschloss geboren. Seine Eltern waren König Friedrich Wilhelms I. und Sophie Dorothea von Hannover. Zwar war er nicht der älteste Sohn, aber die beiden älteren Brüder waren bereits vor seiner Geburt gestorben, sodass er die Last oder die Lust des Thronerbes übernehmen musste.

Friedrich trug in jungen Jahren herbe Konflikte mit dem Vater aus. Unter anderem missfielen diesem das aufmüpfige Verhalten seines Sprösslings und dessen Interesse an den schönen Künsten. Friedrich nahm heimlich Flötenunterricht, ließ sich unbemerkt vom Vater eine Bibliothek einrichten und befasste sich mit der Dichtkunst.

Reste der ehemaligen Bastion Küstrin

Reste der ehemaligen Festung Küstrin

Der Konflikt zwischen Vater und Sohn gipfelte 1730 in einem Fluchtversuch Friedrichs zusammen mit seinem engen Freund Hermann von Katte. Seinen Sohn setzte Friedrich Wilhelm I. in der Festung Küstrin (heute Kostrzyn nad Odrą, Polen) unter Arrest. Katte wurde zum Tode verurteilt und im Beisein von Friedrich enthauptet.

Nachdem Friedrich zwei Jahre später einer Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zustimmte, schien der Konflikt zwischen Sohn und Vater nach außen hin beigelegt. Die Ehe blieb kinderlos und war vermutlich nicht glücklich. Lieber als seiner Ehefrau widmete sich Friedrich der Philosophie, der Geschichte, der Dichtkunst und der Musik.

Neues Palais

Blick auf das Neue Palais im Park Sanssouci

Nachdem er im Mai 1740 zum König Friedrich II. gekrönt wurde, führte er unter anderem mehrere Kriege, bahnte den Kartoffelanbau in Preußen an, gründete die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, setzte Maßnahmen zum Landausbau und zur Besiedlung mehrerer Landstriche um, bemühte sich um die Abschaffung der Leibeigenschaft und förderte den Bau von Schulen auf dem Lande. Gern wird die Erinnerung an die Herrschaftszeit Friedrich II. auch mit dem Bau des Potsdamer Schlosses Sanssouci und der gleichnamigen Parkanlage mit weiteren Schlössern verbunden.

Friedrich, im Volksmund liebevoll Alter Fritz genannt, verstarb am 17. August 1786 in Potsdam. Seinem testamentarischen Wunsch, zusammen mit seinen geliebten Hunden in einer Gruft auf der Terrasse vor dem Schloss Sanssouci bestattet zu werden, wurde danach nicht entsprochen. Stattdessen ordnete sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II. die Beisetzung in der Garnisonkirche an, wo er in der Gruft neben seinem Vater zu liegen kam.

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurden die Särge der preußischen Könige zunächst in einen Luftwaffenbunker bei Potsdam-Eiche, dann in ein Bergwerk im thüringischen Bernterode und schließlich nach Hessen ins Marburger Schloss gebracht. Erst am 17. August 1991 fand Friedrich seine letzte Ruhe in der Gruft auf der Terrasse von Sanssouci, so wie er es sich mehr als 200 Jahre vorher gewünscht hatte.

Die Garnisonkirche

Als der Alte Fritz starb, war die Garnisonkirche in der Mitte Potsdams an der Breiten Straße erst rund 50 Jahre alt. Erbauen lassen hatte sie sein Vater Friedrich Wilhelm I.. Die Pläne dafür stammten von dem Architekten Philipp Gerlach. Die evangelische Kirche wurde im Stil des norddeutschen Barock erbaut und war mit ihrem circa 90 Meter hohen Turm derzeit das höchste Bauwerk Potsdams.

Baustelle Garnisonkirche Potsdam

Baustelle der Garnisonkirche im Januar 2022

Die Garnisonkirche brannte im Zweiten Weltkrieg während eines Luftangriffs der Briten aus. Die Ruine stand noch bis zum Jahr 1968 und wurde dann auf Anordnung der DDR-Obrigkeit gesprengt. Direkt neben der ehemaligen Ruine wurde ab 1969 das Rechenzentrum Potsdam errichtet, das heute nur noch aus einem Funktionsgebäude zur Dortustraße hin besteht. Seit 2015 dient dieses als Kunst- und Kreativhaus. Das Gebäude wird durch einen Mosaikzyklus geschmückt, der unter Denkmalschutz steht.

Seit 2017 wird die Kirche mit Mitteln der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche Potsdam und des Bundes sowie Darlehen des Kirchenkreises Potsdam, der Evangelischen Kirche Deutschland und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz rekonstruiert. Die Gesamtkosten wurden im Jahr 2015 auf 38 Millionen geschätzt. 2,8 Millionen Ziegel sollen verbaut werden.

Alte Wetterfahne und Turmspitze der Garnisonkirche vor dem Rechenzentrum

Einige Teile der alten Garnisonkirche konnten beim Abriss gerettet und bereits restauriert werden. In einem Kasten an der Breiten Straße vor dem Rechenzentrum sind Teile der alten Wetterfahne und der Turmspitze zu sehen.

Die Idee des Wiederaufbaus kam bereits nach dem Mauerfall im Jahr 1989 auf und wird auch heute noch kontrovers diskutiert. In der Ausstellung zur Garnisonkirche in der Nagelkreuzkapelle wurde mir erzählt, dass die Planungen für das Kirchschiff nach Fertigstellung des Kirchturms beginnen sollen. Genaue Daten dafür werden derzeit nicht genannt. Entstehen soll eine offene Stadtkirche als "Raum für Begegnung, Bildung und Beteiligung", wie es in der Broschüre "Die Garnisonkirche von Potsdam" heißt. Für Potsdamer und Touristen dürfte allerdings die am Kirchturm in 57 Meter Höhe geplante Aussichtsplattform das Highlight sein.

Das Reiterstandbild im Park von Sanssouci

Reiterstandbild Friedrichs des Großen in Berlin Unter den Linden

Reiterstandbild Friedrichs des Großen in Berlin Unter den Linden

Das Reiterstandbild des Alten Fritz steht auf einer Wiese vor den Jubiläumsterrassen im Park von Sanssouci, die sich wiederum vor dem Orangerieschloss befinden. Es handelt sich um eine verkleinerte Replik des Reiterstandbilds Friedrichs des Großen am Forum Fridericianum in Berlin-Mitte Unter den Linden.

Die Replik wurde von Aloisio Lazzerini und Carlo Baratta angefertigt, welche Schüler von Christian Daniel Rauch waren, dem Schöpfers des originalen Standbilds.

Das Reiterstandbild im Park Sanssouci ist wesentlich einfacher gehalten. Der Sockel ist im Unterschied zum Original in Berlin sehr schlicht. Auf die Ausschmückung mit Szenen aus Friedrichs Leben sowie bedeutenden Militärpersonen, Politiker, Künstler und Wissenschaftler aus Friedrichs Zeit wurde hier verzichtet.

Reiterstand Friedrichs des Großen in Potsdam

Reiterstandbild des Alten Fritz im Park Sanssouci


Quellen:

* Broschüre Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche Potsdam, Hrsg. Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V.
* Broschüre Die Garnisonkirche Potsdam ein DenkMal zwischen Vergangenheit und Zukunft, Hrsg. Stiftung Garnisonkirche Potsdam und Wissenschaftlicher Beirat der Stiftung, 3. Auflage September 2020
* Meilensteine der deutschen Geschichte - Von der Antike bis heute, Dudenverlag, Berlin 2015
Potsdam ist ideal für Kurz- und Wochenendreisen. Attraktive Arrangements für Genießer, Freundinnen, Familien und Senioren findest du auf verwoehnwochenende.de. Wenn du gern länger bleiben möchtest, kommst du hier direkt zu den Hotels, Ferienwohnungen und Ferienhäusern in Potsdam und Umgebung auf booking.com.*

Bild Meine Buchtipps

Schaltfläche bücher.de
Schaltfläche Thalia
Symbol Buch

Schaltfläche Booking.com
Schaltfläche Verwöhnwochenende
Schaltfläche Check24
Schaltfläche Bahn