Der Name von Pritzwalk

Eine Sage aus der Prignitz

Um die Namen und Wappen von Orten ranken sich viele Sagen. In Brandenburg sind die Ortsnamen häufig slawischen Ursprungs, wie es der Sage nach auch in Pritzwalk der Fall ist.

Die Sage

Vor alters war da, wo jetzt die Stadt Pritzwalk liegt, ein großer Wald, bis endlich einmal mehrere Handwerker und Landleute, zur Zeit, als in hiesiger Gegend noch Wenden wohnten, Lust bekamen, sich hier niederzulassen.

Wie sie nun den Anfang damit machen wollten, die Bäume auszuroden, da fanden sie einen Wolf unter einer Linde liegen, den schrien sie an.»Priz wolk« oder »Priz fouk! « das heißt zu deutsch: »Fort, Wolf! «

Und wie sie nun bald darauf die Stadt an diesem Ort erbauten, da nannten sie diese Prizwalk, und den Namen hat sie bis heute behalten. Zum Andenken hat man auch einen Wolf, der unter einer Linde fortflieht, ins Stadtwappen gesetzt.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben, Adalbert Kuhn, Reimer, Berlin 1843
*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.

Die Stadt Pritzwalk

Das heutige Pritzwalk entstand im 12. Jahrhundert aus einer slawischen Siedlung. Durch die günstige Lage an Handelswegen entwickelte sich ein wichtiger Marktort, der urkundlich unter den Namen Prizwalk, terra Prezwalk, Priscevalc, Priswalch, Prizwalc, Prisswalk und Prieszwalk erwähnt wird. Im Jahr 1256 verliehen die Markgrafen Otto III. und Johannes I. dem Ort das Stadtrecht.

Pritzwalk-Rathaus

Das neoklassizistische Rathaus von Pritzwalk

Im 14. und 15. Jahrhundert wuchs Pritzwalk zu einer blühenden Hansestadt, wovon die große Nikolaikirche und ein prachtvolles Rathaus zeugten. Das alte Rathaus fiel im Jahr 1821 einem großen Feuer zum Opfer. Das heutige, an dessen Portal das Pritzwalker Wappen zu sehen ist, wurde um 1826 im Stil des Klassizismus errichtet. Das Rathaus und die Nikolaikirche, deren Turm von 1882 stammt, gehören zu den ältesten Bauwerken Pritzwalks.

Der Stadtname

Recht einig sind sich Namensforscher, dass der Stadtname aus dem Slawischen kommt. Immerhin war die Ortslage bereits in slawischer Zeit besiedelt. Eine Zeitlang bestanden sogar eine slawische und eine deutsche Siedlung nebeneinander.

Das Wort Wolf wird in slawischen Sprachen tatsächlich mit wolk übersetzt, welches ähnlich wie walk klingt. Der Wahrheitsgehalt der Sage ist bei Historikern allerdings umstritten. In den letzten 200 Jahren wurde der Stadtname auf unterschiedliche Weise gedeutet. Vorschläge waren zum Beispiel pri za wallach (bei den Sperren) und pere volcka (die kürzeste Strecke zwischen zwei Flüssen, in diesem Fall zwischen Elbe und Oder).

Einleuchtende Gedanken zum Namen der Stadt äußerte Adolf Graf 1957 in "Die Ortsnamen des Kreises Prignitz". Er gibt zu bedenken, dass die Worte prevalk im Sorbischen und переволока (Perevoloka) im Russischen eine Schleppstelle zwischen zwei Flüssen bezeichnen. Möglich ist jedoch auch die Ableitung von Valka, das Baumfällen oder Schlag bedeutet. Bei einem Schlag handelt es sich um ein gelichtetes Waldstück, das durchaus als Ort für eine Ansiedlung dienen kann. Graf liebäugelt allerdings am meisten damit, dass Pritzwalk von prez-valk abgeleitet wurde, welches "durch ein Dickicht" bedeutet.

Der Kartograph Heinrich Berghaus mutmasst in "Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz" um 1854, dass es sich beim Namensteil Walk um einen Personennamen handelt, und zwar um Welk, den Häuptling der Weleten. Er schreibt dazu:

"Wenn nun in Erwägung gezogen wird, daß das große Slawenvolk der Weleten oder Wilzen, auch unter dem Nebennamen Weltschker, Wiltschker vorkommt, und im spätern Mittelalter in der Niederlausitz in der Form Wutschken, da in gewissen Dialekten der slawischen Sprache das hart i in u übergeht, - daher man auch den Namen Pritzwalk in seiner ältesten Angabe Pritzfouk oder Pritzwuk geschrieben findet, - erwägt man ferner, daß der Personenname Wilk, Welk, sehr beliebt war, so läßt es sich wol denkbar finden, daß eine Abtheilung der Weleten, oder eine Abtheilung von Brizanern unter Führung eines Häuptlings, Namens Welk, etwa bei einem Angriff der Deutschen, sich auf und davon machte, um sich an einer andern Stelle niederzulassen. Und diese Stelle fanden sie an den Ufern der Dömnitz oder Temnitz ..."

Das Wappen

Das Wappen der Stadt Prignitz zeigt nicht nur einen Wolf und eine Linde mit Laub und Wurzeln, sondern auch einen roten Adler zur Demonstration der Zugehörigkeit zu den Immediatstädten Brandenburgs. Das waren in Preußen bis 1808 Städte, die unmittelbar dem Landesherren unterstanden und keinen eigenen Stadtrat hatten.

Wappen von Pritzwalk

Das Pritzwalker Wappen am Rathaus

Das heutige Wappen wurde im Januar 1994 zugelassen, beruht aber auf dem Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert sowie vorherigen Stadtwappen. Eines davon stammte von dem Kunstmaler und Heraldiker Otto Hupp. Sammler finden es zum Beispiel in einem Sammelalbum der Firma Kaffee Hag aus den 1920er Jahren. Der Wolf auf Hupps Wappen wirkt gegenüber dem heutigen um einiges wilder.


Quellen:

* 725 Jahre Pritzwalk. Chronik der Stadt Pritzwalk, G. Prill, G. Borchert, J. Portner, M. Tiede, Rat der Stadt Pritzwalk, ohne Jahr
* Die Ortsnamen des Kreises Pritzwalk, Adolf Graf, Heimatmuseum des Kreises Pritzwalk, Pritzwalk 1957
* Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Heinrich Berghaus, Erster Brand, Verlag Adolph Müller, Brandenburg 1854
* Pritzwalk, Arbeiten Leben Wohnen in einer Stadt mit Geschichte, WEKA info verlag gmbh, Mering 2003

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