Schwedt/Oder

Schwedt gehört zu den nordöstlichsten Städten Deutschlands. Die Stadt wird bereits im Jahr 1265 urkundlich erwähnt. Im Mittelalter galt sie als wichtiger Kreuzungspunkt der Handelswege zwischen Stettin und Prenzlau nach Frankfurt an der Oder und Berlin.

Der Charme von Schwedt/Oder offenbart sich nicht auf den ersten Blick. Das Bild der Stadt ist vor allem geprägt durch Neubaugebiete, denn wie viele Orte in Odernähe wurde auch Schwedt im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Nach den wenigen Sehenswürdigkeiten muss man nicht lange suchen, denn sie befinden sich fast alle in der Gegend um die Vierradenerstraße und am Ufer der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. An dieser liegt Schwedt nämlich direkt und zwischen der Wasserstraße und der Oder befindet sich noch das untere Odertal.

Ganz ohne Charme ist die Stadt, deren Namen wohl vom slawischen scwet für Licht abgeleitet wurde, aber auf den zweiten Blick dann doch nicht und vielleicht verhält es sich mit Schwedt so, wie es Theodor Fontane über die gesamte Mark Brandenburg schrieb und es bereits auf meiner Startseite zu lesen ist:

"Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen.", schreibt Fontane. "»Auch die häßlichste« – sagt das Sprichwort – »hat immer noch sieben Schönheiten.« Ganz so ist es mit dem »Lande zwischen Oder und Elbe«; wenige Punkte sind so arm, daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muß sie nur zu finden verstehn."

Die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße

Die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße ist eine Erweiterung des Hohensaatener Kanals, welcher in den Jahren 1848 bis 1859 zur Unterstützung der Entwässerung des Oderbruchs gebaut worden war. Bereits vorher hatte die Oder bei Schwedt mehrere Nebenarme. Theodor Fontane beschreibt eine Fahrt zwischen Frankfurt/Oder und Schwedt in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" folgendermaßen:

"Der Fluß, bis dahin im wesentlichen in einem Bette fließend, fängt an, ein Netz von Kanälen durch die Landschaft zu ziehen; hierhin, dorthin windet sich der Dampfer, aber eh es uns noch gelungen ist, uns in dem malerischen Wirrsal zurechtzufinden, tauchen plötzlich weiße Giebelwände, von Türmen und hohen Linden überragt, aus dem Landschaftsbilde auf."

Er erwähnt den Hohensaatener Kanal zwar nicht, muss ihn aber gekannt haben, denn der Band "Das Oderland" erschien erstmals erst 1863, also vier Jahre nach seiner Fertigstellung.

Heute trennt sich der Kanal bei Hohensaaten von der Oder und mündet bei Friedrichsthal, einem Stadtteil von Gartz, wieder in die Westoder ein, die von hier aus weiter über Szczecin (Stettin) in Polen zum Stettiner Haff fließt. Boote und Lastkähne passieren die Wasserstraße, wenn sie beispielsweise am Schwedter Hafen oder den Bootsanlegestellen in Criewen, Am Holzhafen, am Bollwerk oder in Gartz anlegen wollen.

Ein Dampfer zwischen Frankfurt und Schwedt wie zu Fontanes Zeiten scheint nicht mehr zu verkehren. Fahrten durch den Nationalpark Unteres Odertal und vorbei an Schwedt bietet jedoch die Fahrgastschifffahrt Oderberg an. Auf einigen Internetseiten ist zu lesen, dass Flussfahrten mit Ausflugsschiff MS Uckermark vom Bollwerk in Schwedt angeboten werden. Dieses ist aber seit Ende 2018 nicht mehr in Betrieb. Den Anlegesteg gibt es noch.

Wer lieber selbst auf dem Wasser unterwegs ist, mietet sich ein Kanu, ein Kajak, ein Ruderboot oder ein Tretboot am Fischergarten oder bei der Kanuvermietung - Fahrrad & Touristikcenter Bodo Butzke. Beide sind nicht weit vom Bollwerk entfernt. Bodo Butzke verleiht auch Fahrräder für eine Radtour über den Deich.

Lieber baden als paddeln oder rudern? Kein Problem, denn Schwedt hat eine Flussbadestelle mit Liegewiese, Sonnenterrasse und sogar freiem WLAN. Der Eintritt ist kostenlos. Gebadet werden kann hier täglich außer dienstags zwischen 10 bis 18 Uhr.

Schwedter Sehenswürdigkeiten

Die einstige Schönheit der uckermärkischen Stadt, die im Mittelalter zur Blüte kam, lässt sich heute nur erahnen. Da wo bis 1945 das prächtige Residenzschloss der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt stand und bis 1962 noch die Ruinen, befindet sich heute das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, in dem nicht nur Theater gespielt wird, sondern auch prominente Künstler anderer Sparten auftreten. In den Sommermonaten finden viele Veranstaltungen im Rahmen der Odertal-Festspiele auf einer Freilichtbühne am Kanal statt.

Als Fontane seine Bootstour auf der Oder unternahm, konnte er das Schloss Schwedt noch in voller Pracht erleben. Er schreibt darüber:

Vom linken Ufer her aber wirft ein weitläuftiger Bau, in Bäumen und Laubgängen halb versteckt, sein Spiegelbild in den Fluß. Es ist das alte Markgrafenschloß. Wir sind in Schwedt.

Historische Gebäude und Sehenwürdigkeiten sind zum Beispiel:

  • Juliusturm, errichtet 1909 als Klärwerk an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, architektonisch angelehnt an den Juliusturm der Zitadelle Spandau,
  • Berlischky-Pavillion an der Lindenallee, Ecke Bahnhofstraße, der als französisch-reformierte Kirche zwischen 1777 und 1779 durch eingewanderte Hugenotten erbaut wurde
  • Katholische Kirche Mariä Himmelfahrt am Vierradener Platz, erbaut zwischen 1895 bis 1898
  • Amtsgericht am Vierradener Platz, erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts im neogotischen Stil
  • Tabakbrunnen am Vierradener Platz
  • Stadtpfarrkirche St. Katharinen an der Paul-Meyer-Straße
  • Reste der alten Stadtmauer an der Gerberstraße
  • Modell des ehemaligen Schlosses, Teile des Schlossgitters und Barockskulpturen im Europäischen Hugenottenpark neben dem Theater
  • Tabakspeicher in der Gerberbstraße, in dem sich seit 1998 die Galerie am Kiez befindet
  • jede Menge Skulpturen über die Stadt verteilt, im Stadtpark und am Bollwerk von namhaften Künstlern wie Jo Jastram (Kauernder Usbeke), Peter Fritzsche (Maler und Modell), Hans-Peter Goettsche (Fries der Mütter), Veronica Cornils-Berg (Position) und Axel Schulz (Seejungfrau mit schwimmendem Kind)

Umfassende Informationen über die Sehenswürdigkeiten sowie die kulturellen und touristischen Angebote von Schwedt hält die Tourist-Information in der Vierradener Straße 31 wochentags von 10 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 14 Uhr bereit.

Anreise nach Schwedt

Schwedt liegt an den Bundesstraßen B166 und B2. Von Berlin aus erreicht man die Stadt am schnellsten über die Bundesautbahn BAB11 in Richtung Prenzlau, dann Abfahrt Althüttendorf und weiter auf den Bundesstraßen B198 und B2. Aus der Mitte Berlins muss man ungefähr mit anderthalb Stunden Fahrzeit rechnen. Interessanter und landschaftlich schöner ist die Route über Eberswalde (BAB 11, Abfahrt Finowfuhrt), durch Oderberg, vorbei am Parsteiner See und durch Angermünde.

Bahnfahrer nehmen die Regionalbahn RE3, die zum Beispiel an den Bahnhöfen Südkreuz, Potsdamer Platz und Hauptbahnhof hält, und fahren bis Schwedt/Oder. Die RE3 verkehrt zwar einmal pro Stunde, aber nur alle zwei Stunden direkt nach Schwedt. Der Zug dazwischen fährt weiter nach Stralsund. Wer nach Schwedt möchte, steigt dann in Angermünde in die Regionalbahn RB61 um. Die Gesamtfahrzeit ist kaum länger. Ich habe wochentags den direkten Zug genommen und es war nicht sehr voll. Ich kann mir vorstellen, dass die Bahn nach Stralsund zumindest in den Sommermonaten mehr Fahrgäste hat.

Vom Bahnhof aus ist es zu Fuß nicht weit zur Altstadt und zum Bollwerk (circa 25 Minuten). Mit dem Bus zu fahren, lohnt sich kaum, weil dieser mindestens 15 Minuten vom Bahnhof bis zum Bollwerk unterwegs ist. Wer versehentlich schon am Bahnhof Schwedt/Oder Mitte ausgestiegen ist, läuft circa 30 Minuten oder nimmt den Linienbus (491, 468, 482).

Schwedt und den Nationalpark Unteres Odertal zu Fuß erkunden

Rund um Schwedt gibt es viele Möglichkeiten für ausgedehnte Wanderungen. Immer entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße kommt man beispielsweise zum Schloss Criewen. Ab Bollwerk Schwedt sind es rund acht Kilometer. Am besten ist es, die Brückenstraße zu überqueren und dann links vom Kanal auf dem Oderdeich weiterzugehen. Ich bin zunächst auf der Bollwerkseite geblieben und musste dann einen Bogen um ein Wohngebiet herum über die Berliner Allee laufen. Von hier aus geht es über eine Brücke am Schöpfwerk auf die richtige Kanalseite.

Ausgewiesene Wanderwege sind der zehn Kilometer lange "Weg der Auenblicke" mit Start am Nationalparkhaus Criewen über die Densenberge bis zum Aussichtspunkt in Stützkow, der "Wilde Waldweg" über sieben Kilometer durch die Densenberge ab Criewen und der "Auenpfad" entlang der alten Oderarme durch das Naturschutzgebiet. Schwedt ist außerdem Station auf dem Jakobsweg Via Imperii zwischen Stettin und Berlin sowie auf dem Märkischen Landweg, der auf 217 Kilometern in zehn Etappen quer durch die Uckermark führt.

Mit dem Fahrrad nach Schwedt

Durch Schwedt führt der Oder-Neiße-Radweg, der im tschechischen Nová Ves nad Nisou beginnt und über rund 600 Kilometer unter anderem über Zittau, Görlitz, Guben und Frankfurt (Oder) bis ins Seebald Ahlbeck auf Usedom führt. Mit rund 260 Kilometern ist der Uckermärkische Radrundweg etwas kürzer, führt aber immerhin durch drei Landkreise und drei Naturlandschaften. Bei Schwedt verläuft er zeitweise zusammen mit dem Oder-Neiße-Radweg auf dem Oderdeich.

Weitere Informationen zu Wander- und Radtouren und zum Nationalpark Unteres Odertal erhält man im Nationalparkhaus in Criewen und auf der Website der Verwaltung des Nationalparks.

Lesetipps

  • Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Reinhard E. Fischer, be.bra wissenschaft verlag GmbH, Berlin-Brandenburg 2005 (Direktsuche bei Amazon*)
  • Die Uckermark - Bildband-Porträt einer einzigartigen Region, Verschiedene, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, Schwedt/Oder 2021 (Direktsuche bei Amazon*)
  • Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Theodor Fontane, Anaconda Verlag 2019 (Direktsuche bei Amazon*)
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