Weihnachtsgedichte

Verse und Gedichte gehören zur Weihnachtszeit wie die Weihnachtslieder, die Naschereien und der Gänsebraten. Bekannte Brandenburger Dichter haben es sich daher nicht nehmen lassen, ihren Beitrag zum schönsten Fest des Jahres zu leisten.

Wie in anderen Regionen Deutschlands gehört in Brandenburg das Vortragen von Gedichten und kurzen Sprüchen zu einer richtigen Weihnachtsfeier. Am Heiligabend ist es in vielen Familien üblich, dass die Kinder ein Weihnachtsgedicht aufsagen, bevor der Weihnachtsmann die Geschenke überreicht. Aber auch bei Betriebsfeiern, Adventsnachmittagen im Familienkreis, auf Weihnachtsfeiern in Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen werden Gedichte zu Gehör gebracht.

Es gibt daher kaum einen Dichter, der nicht seine Gedanken zum Weihnachtsfest oder zur Adventszeit zu Papier gebracht hat und auch in Brandenburg entstanden seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Gedichte mit weihnachtlichem Bezug. Auf diese Zeit wird in Deutschland der Anfang des Brauchs datiert, die Weihnachtstage mit einem Weihnachtsbaum, einer Krippe, Weihnachtsliedern und -gedichten sowie Geschenken zu feiern. Damals wurde in der Regel auch ein Gottesdienst besucht - eine Tradition, die in den letzten Jahrzehnten vielerorts nachgelassen hat. Zu alten Bräuchen sind überdies neue hinzugekommen. Außerdem vermischen sich Traditionen und Brauchtum verschiedener Regionen und Länder miteinander. Neben deutschsprachigen Weihnachtsgedichten und Liedern erklingen in vielen Wohnzimmern heute auch welche in Englisch und vielen anderen Sprachen.

Doch zurück zu den Dichtern Brandenburgs, von denen Theodor Fontane eindeutig der bekannteste sein dürfte. Geboren in Neuruppin, erlernte Fontane zwar zunächst den Beruf des Apothekers, wandte sich aber zunehmend der Schriftstellerei und dem Journalismus zu. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Fontane schrieb aber auch zahlreiche Gedichte, Balladen und Sprüche. Rund 250 sollen es ingesamt sein. Die Balladen "John Maynard" und "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" sind weit über die Brandenburger Landesgrenzen bekannt und immer wieder einmal in Lehrplänen von Schulen zu finden.

Ebenfalls kein Unbekannter ist Loriot, der 1923 als Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow (kurz Vicco) in der Stadt Brandenburg geboren wurde. Sein satirisches Adventsgedicht "Advent" entstammt dem Sketch "Weihnachen bei Hoppenstedts", der im Dezember 1978 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Seit 1997 läuft er in einer gekürzten und überarbeiteten Fassung in jedem Jahr an Heiligabend sowie am ersten Weihnachtstag zu unterschiedlichen Zeiten auf mehreren Sendern der ARD.

Eng mit Brandenburg verbunden, ist der Autor Richard Dehmel. Er wurde 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz im heutigen Landkreis Dahme-Spreewald geboren und wuchs in Kremmen nordwestlich von Berlin auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte er zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern. Heute ist sein Ruhm leider etwas verblasst. Das Gedicht "Der liebe Weihnachtsmann" schrieb er zusammen mit seiner ersten Frau Paula, gebürtige Oppenheimer, die später als Verfasserin von Märchen, Geschichten und Gedichten für Kinder bekannt werden sollte. Paula Dehmel stammte aus Berlin. Ab 1900 bis zu ihrem Tod veröffentlichte sie eine Vielzahl von Werken und erfuhr durch Dichterkollegen viel Anerkennung. So lobte der Schriftsteller und Publizist sie als eine "ausgezeichnete Kinderdichterin".

Günter Eich wurde 1907 in Lebus an der Oder im jetzigen Landkreis Märkisch-Oderland geboren, verließ seine Heimat aber bereits als junger Mann, um in Leipzig, Berlin und Paris zu studieren. Später lebte er in Berlin sowie zeitweise in seinem Ferienhaus in Poberow, einem Badeort an der Ostsee, der heute unter dem Namen Pobierowo zu Polen gehört. Das "Bratapfellied" gehört zu seinen frühen Gedichten.

Als einer der ersten Dichter der deutschen Romantik wurde der Baron Friedrich de la Motte Fouqué bekannt, der im Jahr 1777 in Brandenburg an der Havel geboren wurde. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Kunstmärchen "Undine" aus dem Jahr 1811, auf dem wiederum die Zauberoper gleichen Names von E. T. A. Hoffmann beruht. Das Libretto für die Oper verfasste Fouqué auf der Basis seines Märchens. Einige seiner Werke sind Heldenspiele und Ritteromane. Die Vorliebe für diese Stoffe lässt sich in seinem Weihnachtsgedicht "Gute Nacht" erahnen.

Friedrich Wilhelm Eigendorf gilt als ein Heimatdichter von Rathenow, wo er ab 1827 lebte und als Lehrer arbeitete. Im Amtsblatt der Regierung in Potsdam von 1829 ist er als Elementar-Schullehrer für Rathenow vermerkt. Leider ist heute wenig über Eigendorf bekannt. In Rathenow ist eine Straße nach ihm benannt und sein Grab auf dem örtlichen Weinbergsfriedhof wird durch den Memento e.V. gepflegt, nachdem der Grabstein 2014 durch den Förderverein Heimatmuseum Rathenow erneuert wurde. Eigendorfs Gedicht "Wenn um vier die Tage dunkeln" soll früher zur Adventszeit in Rathenow für erste Weihnachtsstimmung gesorgt haben, wie sich Erika Guthjahr in ihrem Buch "Havelländers Jahreslauf" erinnert. Im "Verzeichniß der Bücher, Landkarten etc." der J.C. Hinrichs'schen Buchhandlung von 1864 wird Eigendorfs Gedichtsammlung "Album für die Stadt Rathenow und weitere Kreise" als Neuerscheinung auf Seite 65 angezeigt. Laut Wikipedia soll er zudem im Jahr 1847 das Gedicht "Der Winter ist ein rechter Mann" von Matthias Claudius vertont haben.

Advent

Ein Gedicht von Loriot aus "Weihnachten bei Hoppenstedts"

Es blaut die Nacht. Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh',
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie - direkt von vor'n
- den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
- was der Gemahl bisher vermied
- Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluß - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt's von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist's, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil'ger Mann,
's ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.

Alles still

Ein Gedicht von Theodor Fontane

Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Am Heiligen Abend

Ein Gedicht von Theodor Fontane

Fröhlich zog ich meine Straße,
Sang ein liebes, altes Lied,
Das in meiner Brust erklungen,
Eh' die Liebe von mir schied.

Plötzlich tönen Kirchenglocken
Aus der Ferne zu mir her,
meine frohen Lieder stocken,
Und das Singen geht nicht mehr.

Kündet doch des Turms Geläute,
Dass ein Feiertag beginnt,
Dass der Heilge Abend heute,
Und die Ostern morgen sind.

Bratapfellied

Ein Gedicht von Günter Eich

Es gibt der Früchte eine,
die winters erst gedeiht,
versteckt vorm Sonnenscheine,
wanns regnet oder schneit,
wanns friert uns an der Nasen,
wanns grimmt am Ohre auch,
herzhaft der Ofen prasselt,
das Holz verbrannt zu Rauch.
Bratapfel in der Röhre,
du duftest mild und rein -
so ich dich brutzeln höre,
kein Lied kann schöner sein.

Und beiß ich in die Schale
uns ins gebräunte Fleisch,
so glaubt mir: diesem Mahle,
kein andres kommt ihm gleich.
Kein Koch kann Bessres braten,
soviel er Würzen sucht,
es schmeckt nach reiner Wärme
uns schmeckt nach reiner Frucht.
Bratapfel in der Röhre,
du duftest mild und rein -
so ich dich brutzeln höre,
kein Lied kann schöner sein.

Der liebe Weihnachtsmann

Ein Gedicht von Paula und Richard Dehmel

Der Esel, der Esel,
wo kommt der Esel her?
Von Wesel, von Wesel,
er will ans schwarze Meer.

Wer hat denn, wer hat denn
den Esel so bepackt?
Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht
mit seinem Klappersack.

Mit Nüssen, mit Äpfeln,
mit Spielzeug allerlei,
und Kuchen, ja Kuchen
aus seiner Bäckerei.

Wo bäckt denn, wo bäckt denn
Knecht Ruprecht seine Speis?
In Island, in Island,
drum ist sein Bart so weiß.

Die Rute, die Rute
hat er dabei verbrannt;
heut sind die Kinder artig
im ganzen deutschen Land.

Ach Ruprecht, ach Ruprecht,
du lieber Weihnachtsmann:
komm auch zu mir mit deinem
Sack heran!

Frohe Botschaft

Ein Gedicht von Paula Dehmel

Früh, eh ich's konnt begreifen,
hört ich schon etwas pfeifen,
hört ich schon etwas brummen,
wie tausend Bienen summen.
Was ist denn los? Ach ja:
der Weihnachtsmann ist da!

Die Raben und die Spatzen,
sie müssen's weiterschwatzen;
in alle Häuser dringt es,
von allen Glocken klingt es.
Was läuten sie? O ja:
der Weihnachtsmann ist da!

Mit seinem braven Esel
zieht er von Thorn bis Wesel;
wo Mädels sind und Buben,
tritt er in ihre Stuben
und langt aus Sack und Taschen
zum Spielen was und Naschen.
Wo habt ihr's her? Na ja:
der Weihnachtsmann war da!

Furchtbar schlimm

Ein Gedicht von Richard Dehmel

Vater, Vater, der Weihnachtsmann!
Eben hat er ganz laut geblasen,
viel lauter als der Postwagenmann.
Er ist gleich wieder weiter gegangen,
und hat zwei furchtbar lange Nasen,
die waren ganz mit Eis behangen.
Und die eine war wie ein Schornstein,
und die andre ganz klein wie’n Fliegenbein,
darauf ritten lauter, lauter Engelein,
die hielten eine großmächtige Leine,
und seinen Stiefel waren wie deine.
Und an der Leine, da ging ein Herr,
ja wirklich, Vater, wie’n alter Bär,
und die Engelein machten hottehott;
ich glaube, das war der liebe Gott.

Denn er brummte furchtbar mit dem Mund
Ganz furchtbar schlimm; ja wirklich! Und -

"Aber Detta, du schwindelst ja,
das sind ja wieder lauter Lügen!"

Na was schad’t denn das, Papa?
Das macht mir doch so viel Vergnügen!

"So? - Na ja."

Gute Nacht

Ein Gedicht von Friedrich de la Motte Fouqué

Allem schöne gute Nacht,
was da schläft und was noch wacht:
Kindern goldne Weihnachtsbäume,
Knaben Kampf– und Minneträume,
Jungfraun reiner Unschuld Walten,
Dichtern glänzende Gestalten,
Müttern aus prophet′schen Bronnen
ihrer Kinder Künf′ge Wonnen,
Männer hoher Taten Mahnung,
Greisen nahen Friedens Ahnung;
allem schöne gute Nacht,
was da schläft und was noch wacht.

Knecht Ruprecht in Nöten

Ein Gedicht von Paula Dehmel

Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
und rückt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, lärmt nicht so,
seid mal ein bißchen stille!
Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!

Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten? –:
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
schick uns doch mal das Luftschiff her!

Hans möchte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Großpapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will bloß nach Neuruppin
mit Zeppelin, mit Zeppelin.

Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganze liebe kleine Pack
will bloß noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.

Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnöten,
baut mir ein Luftschiff riesengroß
mit hunderttausend Böten,
laßt lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!

Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dank schön, sagt Ruprecht, fährt hinab,
holt alle Jungs und Mädels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erkälten?

Ruhig sein

Ein Gedicht von Theodor Fontane

Ruhig sein, nicht ärgern, nicht kränken,
Ist das allerbeste Schenken;
Aber mit diesem Pfefferkuchen
Will ich es noch mal versuchen.

Sankt Niklas' Auszug

Ein Gedicht von Paula Dehmel

Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,
klopft seine lange Pfeife aus
und sagt zur heiligen Kathrein:
Öl mir die Wasserstiefel ein,
bitte hol auch den Knotenstock
vom Boden und den Fuchspelzrock,
die Mütze lege oben drauf,
und schütte dem Esel tüchtig auf,
halt auch sein Sattelzeug bereit;
wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
Und daß ich's nicht vergeß, ein Loch
ist vorn im Sack, das stopfe noch!
Ich geh derweil zu Gottes Sohn
und hol mir meine Instruktion.

Die heilige Käthe, sanft und still,
tut alles, was Sankt Niklas will.
Der klopft indes beim Herrgott an,
Sankt Peter hat ihm aufgetan
und sagt: Grüß Gott! wie schaut's denn aus?
und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.

Da sitzen die Englein an langen Tischen,
ab und zu Feen dazwischen,
die den kleinsten zeigen, wie's zu machen,
und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern,
fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
packen die Schachteln, binden sie zu
und haben so glühende Bäckchen wie Du.
Herr Jesus sitzt an seinem Pult
und schreibt mit Liebe und Geduld
eine lange Liste. Potz Element,
wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
Die sollen die schönen Engelsgaben
zu Weihnachten haben.

Was fertig ist, wird eingepackt
und auf das Eselchen gepackt.
Sankt Niklas zieht sich recht warm an;
Kinder, er ist ein alter Mann,
und es fängt tüchtig an zu schnein,
da muß er schon vorsichtig sein.

So geht es durch die Wälder im Schritt,
manch Tannenbäumchen nimmt er mit;
und wo er wandert, bleibt im Schnee
manch Futterkörnchen für Hase und Reh.
Aus Haus und Hütte strahlt es hell,
da hebt er dem Esel den Sack vom Fell,
macht leise alle Türen auf,
jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf:
Sankt Niklas, Sankt Niklas,
was hast du gebracht?
was haben die Englein
für uns gemacht?
»Schön Ding, gut Ding,
aus dem himmlischen Haus;
langt in den Sack! holt euch was raus!«

Verse zum Advent

Ein Gedicht von Theodor Fontane

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Weihnachten 1859

Ein Gedicht von Theodor Fontane

An Emilie

Gekommen ist der heil'ge Christ
Die ganze Stadt voll Lichter ist;
Auch unsre sollen brennen.
Die Sorgen weg und zünde an,
Ich will derweil, so gut ich kann,
Dir meine Wünsche nennen.

Empfang zuerst ein Strumpfenband,
Das ich für dreißig Pfengk erstand
Bei Fonrobert im Laden.
Ich wünsche dir, geliebtes Weib,
Bald wieder einen dünnern Leib
Und etwas dick're Waden.

Empfang als dann ein Kontobuch,
Fürs Credit ist es groß genug,
Fürs Debet etwas kleine.
Indes, es heißt ja: «rund die Welt»,
Der Beutel wird mal wieder Geld
Und hilft uns auf die Beine.

Und drum zuletzt den heißen Wunsch,
Daß unsres Schicksals dicker Flunsch
Bald hübsch'ren Zügen weiche,
Und daß ein bißchen Sonnenschein
Zieh wieder endlich bei uns ein
Und unser Herz beschleiche.

Weihnachtsgang

Ein Gedicht von Paula Dehmel

Es war zur lieben Weihnachtszeit,
die Wälder lagen tief verschneit,
im Acker schlief in guter Ruh
das Korn und träumte dem Frühling zu,
die Winternachmittagssonne stand
wie ein gelber Fleck an weißer Wand –
da schritt ich hinaus in die blinkende Weite
und summte ein Lied mir zum Geleite.
Wie ich so ging auf stillen Wegen,
kam mir ein seltsamer Zug entgegen.
Ein Eselchen, ganz vollgesackt,
mit Schachteln und allerhand Kram bepackt,
schritt langsam durch die Felderruh;
sein Führer rief ihm bisweilen zu,
es war ein Alter in weißem Haar,
mit Runzelgesicht und sonderbar
altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Kräften,
die Füße staken in hohen Schäften
und kamen munter mit Hott und Hüh
grad auf mich zu samt dem Eselsvieh.
Potz Blitz, fällt mir auf einmal ein,
das muß doch der Gottesknecht Ruprecht sein.
Ich blicke scharf in das bärtge Gesicht:
»Grüß Gott, mein Alter, kennst du mich nicht?
Ich hab doch oft dein Loblied gesungen,
und all die Mädels und all die Jungen,
die noch an Mutters Rockzipfel hängen
oder sich auf den Schulbänken drängen,
kennen dich wie ihre großen Zehen,
doch hat wohl noch niemand dich draußen gesehen.
Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen
uns erst in der hellen Stube entgegen
mit Sack und Pack und netten Geschenken;
was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken?
Da stehst du nun mit Haut und Haar,
bist nicht ein bißchen unsichtbar,
wie es dir zukommt.« – »So ist meine Art,«
brummte der Alte und strich sich den Bart,
»ich denke mir gern Überraschungen aus,
für diesmal mach ich's außerm Haus;
komm mit, da sollst du was erleben,
das wird ein Extra-Vergnügen geben.«
»Topp,« rief ich, »Alter, ich bin dabei,
ich höre gern lustiges Kindergeschrei.«

So schritten wir rüstig zur Stadt. Am Tor
langte Ruprecht ein hölzernes Pfeifchen hervor
und blies. Wie konnte der Alte pfeifen!
Jetzt lernt ich den Rattenfänger begreifen:
aus allen Straßen, aus Tür und Tor
– mir klingt der Lärm noch immer im Ohr –
mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen
kamen wohl hundert Kinder gelaufen.
Die tanzten um Ruprecht, bettelten, baten,
eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten,
eins um ein Püppchen, eins um ein Büchlein,
eins um ein Rößlein, eins um ein Tüchlein,
und Ruprecht langte in seinen Sack
und gab, was es wünschte, dem kleinen Pack.
Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen;
aber die übermütigen Rangen
schrien durcheinander und wollten mehr,
kletterten über das Eselchen her,
zupften den Ruprecht an Bart und Kragen,
wollten ihm gar die Säcke wegtragen.
Da wurde es aber dem Alten zu bunt,
er nahm sein Zauberpfeifchen, und –
schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch.
Sie wurden ganz kleinlaut, man hörte nur noch:
»Komm, Fritzchen – Hans, laß doch – nicht schreien, Marie–
Knecht Ruprecht wird böse – seht ihr nicht, wie?!«
Und sie stellten sich artig um ihn herum
und waren wie die Mäuschen stumm.
Er kommandierte: »Linksum, kehrt,
nun geht nach Hause, wie sich's gehört!«
Da faßten die Großen die Kleinen an:
»Grüß Gott und schön Dank auch, Herr Weihnachtsmann.«

Und wieder tönte die Schalmei,
die Kinder trabten zwei zu zwei
und sangen lustig die Weise mit,
und fern und ferner klang ihr Schritt;
mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm.
Wie sind ihre Bäckchen vor Freude warm –
so dacht ich – und Freude ist der Saft,
den wir auf unsrer Wanderschaft
durchs Leben aus frohen Kindertagen
ins graue Alter mit hinübertragen
als verjüngendes Elixier;
ein gut Teil davon verdanken wir dir,
du alter bärtiger Gottgeselle!
Ich sah mich um – leer war die Stelle,
nur fern in der dämmernden Abendluft
verschwebte ein Wölkchen wie Weihrauchduft,
und durch die feiernde Stille drang
der erste hohe Glockenklang.

Weihnachtsglocken

Ein Gedicht von Richard Dehmel

Weihnachtsglocken, wieder, wieder
sänftigt und bestürmt ihr mich.
Kommt, o kommt, ihr hohen Lieder,
nehmt mich, überwältigt mich!

Daß ich in die Knie fallen,
daß ich wieder Kind sein kann,
wie als Kind Herr-Jesus lallen
und die Hände fallen kann.

Denn ich fühl’s, die Liebe lebt, lebt,
die mit ihm geboren wurde,
ob sie gleich von Tod zu Tod schwebt,
obgleich er gekreuzigt wurde.

Fühl’s, wie alle Brüder werden,
wenn wir hilflos, Mensch zu Menschen,
stammeln: "Friede sei auf Erden
und ein Wohlgefall’n am Menschen!"

Weihnachtsschnee

Ein Gedicht von Paula Dehmel

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.
Er streut – die Kuchen sind schon voll –
er streut – na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln!– Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!

Wenn um vier die Tage dunkeln

Ein Gedicht von Friedrich Wilhelm Eigendorf

Wenn um vier die Tage dunkeln
und um fünf die Sternlein funkeln,
kommt der liebe Weihnachtsmann
auf dem Freudenwagen an.

Kindern, die nach ihm verlangen,
mit Gebetlein ihn empfangen,
legt er Gaben in die kleine Hand
aus der goldenen Engel Land.

Zum 24. Dezember 1890

Ein Gedicht von Theodor Fontane

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm‘ ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.


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