Phöben

Das Dorf Phöben liegt direkt an der Havel westlich von Berlin. Der Ort fand erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts urkundliche Erwähnung und gehörte zeitweise zum Kloster Lehnin. Phöben ist heute ein Ortsteil von Werder an der Havel im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark.

„Wohlangebrachte Durchblicke ließen die landschaftliche Fernsicht über die üppigen Havelwiesen und Seen nach den bewaldeten Höhen von Phöben und Töplitz hin frei." (Theoder Fontante über Paretz)


Blick auf den Phöbener Kirchturm, Foto: Heike Jestram

Von Weben und Feeben
Fische und Obst aus Phöben
Der Anglerverein in Phöben
Reiten und Golfen
Ziegel und Sand
Was ist sehenswert?
Als Phöben noch ein Gasthaus hatte
So erreichst du Phöben
Bildergalerie

Auch vom Schloss Marquardt bei Potsdam aus, hat Fontane noch den Kirchturm von Phöben erspäht, wie er in "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" im dritten Teil über das Havelland schreibt. Nach mehr als 150 Jahren kann man heute so weit nicht mehr schauen, denn die Bäume sind seitdem stark gewachsen. Vom westlichen Berliner Ring aus entdeckt man Phöben nach Norden fahrend jedoch kurz nach der Abfahrt nach Werder/Havel und Brandenburg am Fernmeldeturm auf der Spitze des Wachtelbergs.

Von Weben und Feeben

Phöben liegt an der Havel, die dort an manchen Stellen etwas breiter wird. Das Dorf ist schon mehr als 700 Jahre alt und gehörte früher zum Kloster Lehnin. Der Name hat sich seit der Gründung geändert. Urkundlich wird Phöben um 1340 herum als Weben erwähnt. In einer Sage wird das Dorf Feeben genannt. In dieser ist auch der Räuberberg erwähnt. Es handelte sich hierbei um die Reste eines slawischen Burgwalls, die sich circa zwei Kilometer von der Ortsmitte entfernt befinden.

In alten Zeiten soll hier eine Burg gestanden haben, welche der Sage nach der Familie von Rochow gehörte. Davon ist in den Chroniken ab Mitte des 14. Jahrhunderts jedoch schon keine Rede mehr. Wer heute den Weg an der Havel in Richtung Räuberberg nimmt, wird diesen leider vergeblich suchen und auch von den Burgwallresten ist nichts mehr zu sehen.

Auf Anregung des Heimatvereins gibt es am Wiesengut kurz vor dem einstigen Standort von Burg und Burgwall eine Schautafel mit Informationen zum Phöbener Räuberberg. Interessierte erfahren hier zum Beispiel, dass die Burgwälle damals rund drei Meter hoch waren und die Burg bereits ab Mitte des 9. Jahrhunderts bewohnt wurde.

Verblüffend ist es, dass bei archäologischen Untersuchungen ein Schatz gefunden wurde. Dieser besteht aus arabischen Dirhams, die auf das Jahr 900 datiert werden. Sie müssen also bereits von den slawischen Burgherren an die Havel gebracht worden sein. Die Münzen wurden aber nicht einfach nur aufbewahrt, sondern auch auf ihren Silbergehalt untersucht, wie Probierschnitte zeigen.

Zum Räuberberg kommst du über den Havelradweg, der entlang der Havel auch für Wanderer eine attraktive Strecke ist. Vom Ortskern läuft man ungefähr dreißig Minuten bis dorthin.

Fische und Obst aus Phöben

Die Lage an der Havel machte Phöben zunächst für Fischer interessant. Mittlerweile ist die Gegend um Werder herum hauptsächlich für den Obstanbau bekannt, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier entwickelte. Ab der 1920er Jahre wuchs nämlich Berlin durch die Eingemeindung vieler Orte enorm und die Versorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse wurde unter anderem durch den Anbau auf dem fruchtbaren Land im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark sichergestellt. Das Werderaner Havelland wird daher auch oft als „Obstgarten Berlins" bezeichnet.

Apfelplantage bei Phöben, Foto: Heike Jestram

Zu Beginn der 1980er Jahre wurde allein in Phöben Obst auf circa 273 Hektar angebaut. Dazu kamen Obst und Gemüse aus privaten Gärten, die für die Versorgung der DDR-Bevölkerung in Sammelstellen angekauft und von dort aus in die Kaufhallen gebracht wurden. Tatsächlich haben die privaten Gärtner in der Sammelstelle manchmal für ihr Obst mehr Geld erhalten, als es am Ende im Laden kostete.

Geangelt wird in Phöben immer noch und es gibt auch einen Fischer, der frischen und geräucherten Fisch im Fischergarten an der Hauptstraße mit Blick auf die Havel anbietet. Wasserwanderer können da übrigens direkt anlegen.

Der Anglerverein in Phöben

Phöben besuchen Ausflügler wegen der schönen Havellandschaft und für Waldspaziergänge. Viele Potsdamer und Berliner haben hier aber auch ihre Wochenendgrundstücke. Die meisten davon gehören zum Anglerverein Am Wachtelberg e. V. , der bereits im Jahr 1921 als Anglerverein Neukölln e. V. gegründet wurde. Bereits ab 1926 hatte der Verein Landflächen am Nordhang des Wachtelberges sowie an der Havel am Ende der Fährstraße gepachtet und an seine Mitglieder vergeben. Heute gliedern sich die Flächen in 57 Parzellen auf und der Verein hat um die 100 Mitglieder.

Reiten und Golfen

Am Rand von Phöben befindet sich seit vielen Jahren die Reitanlage Pappelhof, zu der zwei Springplätze, zwei Dressur-Außenplätze und eine Reithalle gehören. Die Reitanlage wird vom Reit- und Fahrverein Phöben e.V. betrieben, der auch Reitunterricht für Kinder und Erwachsene anbietet. Mitglieder können sich hier zudem auf Turniere vorbereiten oder das Reitabzeichen ablegen. Die Polo- und Reitanlage Phöben mit Longierhalle, Reithalle, Dressurvierecken, Springplätzen, Galoppbahn und Ausreitgelände erreichen Pferdeliebhaber von Werder kommend direkt am Ortseingang von Phöben.

Zwischen Phöben und Kemnitz kommen Golfer auf ihre Kosten. Der Märkische Golfplatz Potsdam gehört mit zwei 9-Loch- und einem 18-Loch-Course zu den größten Golfarealen Deutschlands. Gäste können sich zudem im Restaurant des Golfclubs kulinarisch verwöhnen lassen.

Ziegel und Sand

Phöben hatte vor rund 100 Jahren aber noch zwei weitere „Exportartikel". Nördlich des Ortes befand sich eine Ziegelei. Für den Häuserbau im wachsenden Großberlin wurden aber nicht nur Ziegel, sondern auch Bausand benötigt, den es in den Phöbener Bergen zuhauf gab.

Blick vom Wachtelberg, Foto: Heike Jestram

Der Sand wurde damals also dort abgebaut und mit Lastkähnen in die Metropole gebracht. Bis weit in die 1980er Jahre hinein war die Abbaustelle noch deutlich zu erkennen. Der Sand war an dieser Stelle hell und weich wie am Ostseestrand, sodass der sogenannte Sandberg zum beliebten Kinderspielplatz wurde. Was gab es Schöneres, als zunächst in die Havel zu springen, dann klatschnass zum Sandberg zu laufen, sich herunterzurollen und sich danach die Panade aus Sand wieder in der Havel abzuwaschen? So konnten ganze Nachmittage vergehen und am Abend kehrt man müde, aber glücklich nach Hause zurück.

Was ist sehenswert?

An Sehenswürdigkeiten ist Phöben weniger reich als an landschaftlicher Schönheit. Zwar stammt die schlichte Dorfkirche bereits von 1758 und wurde schon von Fontane erwähnt, aber ansonsten sind nur die alte Dorfschule, das Wiesengut und die Schmiede interessant. Die Dorfschule war bis nach dem Krieg eine sogenannte Einklassen- oder Zwergenschule. Das bedeutet, dass sich Kinder mehrerer Jahrgänge einen Klassenraum und einen Lehrer teilten. Heute ist die Schule nicht mehr in Betrieb und die Kinder fahren mit dem Schulbus nach Werder/Havel. Im alten Schulgebäude hat inzwischen der Heimatverein sein Zuhause gefunden.

Wiesengut und Pappelhof Phöben, Foto: Heike Jestram

Keine eigentliche Sehenswürdigkeit, aber interessant, ist das Wiesengut, das in den 1920er Jahren für Bouke Annes Visser errichtet worden war. Architekt war Wilhelm Büning, zu diesem Zeitpunkt Professor an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin sowie Dozent an der TH Berlin.
Visser war ein niederländischer Komponist, dessen Frau Margarethe aus Deutschland stammte. Das Ehepaar bewohnte das Haus mit zwei Kindern.

Schon im 16. Jahrhundert soll sich auf dem Gelände ein Rittergut befunden haben. Das neue Haus entstand anstelle einer Ziegelei.

Leider trennte sich das Paar und das Haus in Phöben wurde 1936 an den Berliner Spediteur Harry Hamacher verkauft. Der soll übrigens nach dem Krieg große Geschäfte während der Berliner Luftbrücke durch den Transport sogenannter Vorbehaltsgüter gemacht haben. Hamacher bewohnte das Haus nicht selbst, sondern veranlasste die Nutzung als Müttergenesungsheim Theresienheim durch das katholische St. Joseph-Krankenhaus aus Potsdam. Ältere Phöbener können sich noch an die Nonnen erinnern, die als Krankenschwestern nach Phöben gekommen waren.

Auch die Nutzung als Müttergenesungsheim sollte nicht lange dauern. Das Haus ging im Jahr 1954 in Volkseigentum über und wurde ab 1955 durch die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Havelland (LPG) genutzt. Nach der politischen Wende kam es zur Rückübertragung an die Familie Hamacher. Während die Wirtschaftsgebäude durch einen Reiterhof weiterhin genutzt wurden, verfiel das Wohnhaus in den nächsten Jahrzehnten. Inzwischen ist es aber aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird durch eine Baugemeinschaft umfassend saniert und erste neue Bewohner scheinen bereits eingezogen zu sein. Außerdem gibt es auf dem Gelände Ferienwohnungen.

Als Phöben noch ein Gasthaus hatte

Bis nach der Wende gab es in Phöben mehrere Geschäfte, einen Bäcker, die Eisdiele „Kakadu" und den „Alten Krug". Die Eisdiele brannte vor etlichen Jahren ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Der „Alte Krug" wurde abgerissen. Auf dem Gelände stehen heute mehrere Einfamilienhäuser. Der damalige „Alte Krug" hatte zwei Wirtsstuben, zwei Säle und einen Sommergarten.

Der einstige Biergarten vom "Alten Krug, Foto: privat"

Das Gasthaus lag direkt an der Havel und empfing unter anderem Gäste, die mit einem Ausflugsschiff der „Weißen Flotte" kamen. In den Sälen fanden Feiern jeglicher Art statt, aber es gab auch Faschingsbälle, Live-Musik und Filmvorführungen. Im Biergarten standen die Tische unter ausladenden Kastanienbäumen, sodass die Gäste selbst bei größter Hitze im kühlen Schatten saßen.

Hungrig oder durstig müssen Besucher den Ort Phöben aber nicht verlassen. Da wo früher Eisdiele und Kneipe "Kakadu" standen, gibt es heute einen Bootsverleih, zu dem ein Eiscafé mit Sonnenterrasse gehört. In den Sommermonaten laben sich Gäste hier an leckeren Eisspezialitäten, Kaffee und Kuchen sowie kleinen Snacks. An der Polo- und Reitanlage gibt es außerdem ein Restaurant mit italienischen und mediterranen Speisen und auch das fast nebenan gelegene Hotel Country Inn lädt Gäste in sein Restaurant ein.

Auf der anderen Seite der Havel befindet sich Phöben gegenüber das Dorf Töplitz. Bis in die 70er Jahre hinein waren beide Orte durch eine Personenfähre miteinander verbunden. Es handelte sich um einen Fährkahn. Daran erinnert lediglich noch der Name Fährstraße. Heute kommt man nur noch mit dem eigenen Boot oder mit dem Auto beziehungsweise dem Linienbus über die Havelbrücke Werder von Phöben nach Töplitz.

So erreichst du Phöben

Nach Phöben kommst du mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem Bus. Von Berlin und Potsdam fährt die Regionalbahn nach Werder/Havel. Von dort dauert die Fahrt mit dem Bus noch rund 14 Minuten. Mit dem Fahrrad sind es weniger als 20 Minuten bis zur Phöbener Kirche.

Der Havellradweg führt durch Phöben

Wer mit dem Fahrad eine Tour auf dem Havelradweg unternimmt, kommt auf der vierten Etappe zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel unweigerlich durch Phöben. Die Route führt teilweise durch den Ort, über die Fährstraße und dann am Pappelhof, am Wiesengut und am Räuberberg vorbei entlang der Havel. Im Handel sind verschiedene Radwanderkarten und Radtourenbücher zum erhältlich, in denen die genauen Routen verzeichnet sind, die aber auch weiterführende Informationen bieten. Wer die Havellandschaft noch nicht kennt, ist damit sicher sehr gut ausgerüstet.

Auf dem Wasser nach Phöben

Phöben ist natürlich auch über die Havel zwischen Werder/Havel und Ketzin mit dem Boot zu erreichen. Eine Möglichkeit zum Anlegen gibt es am Wasserwanderrastplatz Am Leuchtturm am Fischergarten. Der Gastanleger hat einen Strom- und einen Wasseranschluss sowie Zugang zum Internet über WLAN.

Auf Schusters Rappen von Werder nach Phöben

Wanderer nutzen zum Beispiel eine Teilstrecke des Fernwanderwegs E10 von Werder, entlang des Plessower Sees, über Kemnitz nach Phöben. Der Fernwanderweg verläuft übrigens zwischen Finnland und Spanien. Wer das gesamte Bundesland Brandenburg über den Fernwanderweg durchqueren möchte, startet in Strasen an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern und wandert bis nach Bad Muskau. Die Gesamtstrecke ist allerdings abhängig von der gewählten Route rund 430 oder 450 Kilomer lang und führt unter anderem durch so bekannte Orte wie Rheinsberg, Neuruppin, Potsdam, Lübbenau und Cottbus. Mehr Tipps für Wanderungen findest du in verschiedenen Wanderführern für Brandenburg.