Bischof Dodilo

Eine Sage aus der Stadt Brandenburg

Die Sage

Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org
*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.
In dem Gewölbe über dem rechten Arm des Kreuzes, das die Domkirche zu Brandenburg bildet, befindet sich eine runde Oeffnung, durch welche der Bischof Dodilo im Jahr 980 hinabgestürzt worden sein soll. Er wurde nämlich von den Wenden, die sich empört hatten, verfolgt, flüchtete sich in den Dom und wurde hier durch das Bellen seines kleinen Hündchens, das ihm gefolgt, verrathen, worauf ihn die Wenden fingen und auf jene jammervolle Weise zu Tode brachten. Zum Glück kam auch hier der Gutsherr hinzu und bannte alles, indem er rückwärts anfing zu lesen.

Die wahre Bibel, sagt man dort, liegt in Leipzig, die wird nie losgemacht. Nur Napoleon I. hat sie sich losmachen lassen, aber ist damit auch nicht weiter gegangen als bis vor den Altar und hat dort darin gelesen. Da hat er denn gesehen, wie alles kommen würde in Rußland, welche Generale ihm untreu werden würden usw. Nichtsdestoweniger hat er den Zug nach Rußland freilich doch unternommen.

Wer war Dodilo? - Historische Hintergründe zur Sage

Dodilo lebte im 10. Jahrhundert. Er gilt als der zweite Bischof des damaligen Bistums Brandenburg und erhielt vermutlich 965 oder 968 seine Weihe in Erfurt durch den Erzbischof Wilhelm von Mainz und den Bischof Erkanbald von Straßberg. Er wurde im Jahr 980 umgebracht. Aber dazu später.

Die Geschichte der Dominsel

Das Bistum Brandenburg wurde um 948 gegründet und existierte bis 1598. Um 1500 umfasste es die komplette Mark Brandenburg sowie Teile der Erzstifte Magdeburg, Anhalt und Sachsen-Wittenberg. Außerdem gehörte das Hochstift Brandenburg mit den Residenzorten Ziesar, Pritzerbe sowie weiteren Brandenburger Burgen dazu.

Ziele der Bistumsgründungen waren die Missionierung der zu dieser Zeit in den Gebieten östlich der Elbe ansässigen Bevölkerung und ihre Bekehrung zum Christentum. Diese bestand vorwiegend aus Slawen beziehungsweise Wenden, welche noch heidnischen Bräuchen anhingen. Eine der slawischen Hauptburgen war die Brandenburg, in alten Schriften auch Brennaburg, Brennabor oder Brendanburg genannt. Diese war bereits im 8. Jahrhundert auf einer Insel in der Havel erbaut worden.

Im Winter 928/929 wurde die Burg durch Heinrich I. erobert, auch Heinrich der Vogeler genannt. Die Burgbewohner blieben allerdings vorerst slawisch. Ab 948 wurden Teile der Burg zum Sitz des neugegründeten Bistums Brandenburg und die Slawen scheinen sie vorerst aufgegeben zu haben.

Kampflos nahmen die Wenden die Missionierung und die Besetzung ihrer Gebiete nicht hin. Mehrere nordwestslawische Stämme hatten sich zum Bund der Lutizen zusammengeschlossen und leisteten Widerstand, der 983 im Slawenaufstand gipfelte. In der Folge kam die Brandenburg wieder unter slawische Herrschaft, wurde aber 1157 durch ein deutsches Heer unter Markgraf Albrecht und Erzbischof Wichmann von Magdeburg erneut erobert. Damit begann in der Mark Brandenburg eine andauernde deutsche Herrschaft und das Bistum Brandenburg erhielt Teile der Burg zurück.

Theodor Fontane schreibt dazu in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg":

"Die beiden Ereignisse, die über das Wendentum an Havel und Spree entschieden, waren die Erstürmung Brennabors am 11. Juni 1157 und unmittelbar darauf, wenn der halb sagenhaften Überlieferung Glauben zu schenken ist, die 'Havelschlacht gegenüber dem Schildhorn', in der der Jaczko, der Neffe Pribislaws, und seine noch einmal zusammengeraffte Wendenmacht entscheidend geschlagen wurde. Schon zweihundert Jahre früher, unter den ersten Sachsenkaisern, waren die Deutschen bis ebenfalls an die östliche Havel vorgedrungen, und schon damals waren, in ihren ersten Anfängen wenigstens, der Havelberger und Brandenburger Dom gegründet worden, aber Leichtsinn, Unklugheit, Grausamkeit von seiten der Sieger hatten zunächst zu Auflehnung der Besiegten und endlich zu völliger Abschüttelung des Jochs geführt. Das alte Wendentum war auf 150 Jahre hin wieder glänzend aufgeblüht. "

Brandenburg-Dom

Der Brandenburger Dom St. Peter und Paul

Die Brandenburg gibt es nicht mehr. Auf der Havelinsel wurden ein Dom, Domherrenhäuser sowie andere Gebäude des Bistums errichtet. Da wo sich die slawische Burg befand stehen heute der Dom St. Peter und Paul und die Kirche St. Petri.

Die historischen Ereignisse erklären, warum Bischof Dodilo in der Sage von den Wenden verfolgt und getötet wurde, aber die Sage ist nicht stimmig. Die Domkirche gab es zu seinen Lebzeiten noch nicht. Wie es heißt, kam Dodilo auch nicht durch die Gewalt von Wenden zu Tode, sondern er soll durch Personen aus den eigenen Reihen erdrosselt worden sein.

Thietmar von Merseburg, zu Beginn des 11. Jahrhunderts Bischof des Bistums Merseburg und bedeutender Geschichtsschreiber berichtet in der Magdeburger Bischofschronik, die vom 10. bis zum 16. Jahrhundert geführt wurde:

"Die Geistlichkeit daselbst war von den Slawen gefangen genommen, und Dodilo, der zweite der brandenburgischen Bischöfe, der von den Seinen erdrosselt war und nun schon drei Jahren im Grab gelegen hatte, wurde aus dem Sarge gerissen und seines Priesterschmucks, der, so wie der Körper, noch ganz unversehrt war, von den gierigen Hunden beraubt und dann ohne weiteres wieder hineingeworfen; der ganze Schatz der Kirche ward verschleudert und viel Blut auf klägliche Weise vergossen."

(aus "Die Chronik des Thietmar von Merseburg, Buch III, Seite 76, übersetzt von Johann Christian Moritz Laurent, Verlag von Franz Duncker, 2. Auflage, Leipzig 1878)


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